Das Fanprojekt Leipzig sucht ab 01.03.2026 einen Sozialpädagogen/Sozialarbeiter (m/w/d) für den Arbeitsbereich 1. FC Lokomotive Leipzig in Teilzeit (20 Wochenstunden)

Qualitätssiegel für professionelle Fanarbeit: Fanprojekt Leipzig zum 3. Mal zertifiziert

Ausgezeichnete Fanarbeit mit hohen Qualitätsstandards: Das Fanprojekt Leipzig erhielt am 8. Dezember 2025 das Qualitätssiegel der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) für professionelle Fanarbeit im Fußball. Damit hat das Team in Leipzig zum dritten Mal in Folge die Qualitätsüberprüfung, die alle drei Jahre im Rahmen des Nationalen Konzepts für Sport und Sicherheit (NKSS) fällig ist, erfolgreich abgeschlossen.

Das Qualitätssiegel wurde durch Philipp Beitzel von der KOS in der Beiratssitzung an Fanprojektleiter Dr. Christian Kohn überreicht. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz von Vicki Felthaus, der Beigeordneten für Jugend, Schule und Demokratie der Stadt Leipzig statt. Zweimal im Jahr trifft sich diese Runde. Neben Christian Kohn waren auch Vera Kalkhoff, Geschäftsleitung Jugendarbeit | Bildung | Projekte bei Outlaw und Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts und ehemaliger Geschäftsleiter bei Outlaw dabei. Vertreten ist außerdem das Jugendamts der Stadt Leipzig, das Innenministerium des Landes Sachsen, der DFB und die DFL, das Ordnungsamt, die Polizei, die unabhängige Wissenschaft und die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) sowie die Stadtratsfraktionen, um sich zum aktuellen Stand der Fanprojektarbeit in Leipzig auszutauschen.

„Ich freue mich sehr, dass nach einem wirklich schwierigen Jahr wegen einer für uns bis zum Sommer wirklich herausfordernden Finanzierungssituation unser Fanprojekt nun zum Ende des Jahres nicht nur finanziell gut dasteht, sondern wir auch – mittlerweile zum dritten Mal – bescheinigt bekommen haben, dass wir am Standort qualitativ auf sehr hohem Niveau arbeiten“, unterstreicht Christian Kohn und weist auf die schwierige finanzielle Lage aufgrund geplanter Kürzungen bei Förderungen für das Fanprojekt hin. „Umso wichtiger war das Signal, dass die Landesförderung für die Jahre 2025 und 2026 nicht gekürzt, sondern sogar erhöht wurde. Das zeigte, wie wichtig die Arbeit der Fanprojekte in Sachsen eingeordnet wird.“
Mehr dazu in unserem Blogtext.

Auch Vera Kalkhoff war als zuständige Geschäftsleitung des Arbeitsfelds bei Outlaw vor Ort in Leipzig dabei und gratulierte Fanprojektleiter Christian Kohn und seinem Team für die erneute Verleihung des Qualitätssiegels: „Das  KOS-Qualitätssiegel steht für überprüfte, fachlich fundierte Fansozialarbeit. Es verbindet externe Evaluation mit kontinuierlicher Qualitätsentwicklung und stärkt Fanprojekte als anerkannte Akteure der Jugendhilfe im Fußballumfeld.“ Im Mittelpunkt der Evaluation stehen etwa die Fachlichkeit des jeweiligen Teams, die finanzielle wie sachliche Ausstattung, die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fanszenen sowie die Belastbarkeit des Netzwerkes, das neben den Bezugsvereinen Sicherheits- und Jugendhilfeinstitutionen der Stadt miteinschließt.

„Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen hält das Team in Leipzig diese Qualität seit Jahren aufrecht und leistet professionelle, nachhaltige Arbeit! Das Fanprojekt beweist damit, dass die Fansozialarbeit in Leipzig fachlich fundiert sowie jugendhilferechtlich verankert gearbeitet wird und angemessen ausgestattet ist. Das ist so wichtig, denn die Fansozialarbeit ist akzeptierte, lebensweltorientierte präventive Jugendarbeit“, ergänzt Vera Kalkhoff.

Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“

Das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ wurde 2010 eingeführt und 2012 im NKSS verankert. Die Arbeit der Fanprojekte wird regelmäßig alle drei Jahre mit einem eigens für die 71 Standorte entwickelten Qualitätssiegelprozess durch das unabhängige Evaluierungsinstitut CEVal überprüft und ausgewertet. Im Anschluss berät die AG Qualitätssicherung, in der Vertreter:innen, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga, der Deutschen Sportjugend, der Koordinationsstelle Fanprojekte sowie der unabhängigen Wissenschaft sitzen, über die Vergabe des Siegels. Weiter Infos gibt es hier.

Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG): Die Stadien sind sicher und die Fans zeigen eine große Verantwortung!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) beobachtet die Diskussion um die Stadionsicherheit seit geraumer Zeit und sieht sich gezwungen, die aktuellen Verlautbarungen und Vorhaben einzuordnen und zu kommentieren.

Erstens: wir halten die am 18. Oktober 2024 geäußerte Grundannahme, dass die Sicherheit in den Fußballstadien nicht ausreichend gewährleistet ist, für falsch:
Die in den vergangenen drei Jahren stark steigenden Zuschauer*innenzahlen dokumentieren, dass sehr viele Menschen ohne Angst in die Stadien strömen. Auch die Zunahme bei den jüngeren Altersgruppen spricht dafür. Die von der Deutschen Fußballliga (DFL) in Auftrag gegebene Umfrage belegt ebenso, dass sich über 90% der Stadionbesucher*innen sicher fühlen. Zudem zeigen die aktuellen Polizeistatistiken (ZIS Bericht Oktober 2025), dass trotz steigender Zuschauerzahlen die Gewalttaten und Verletztenzahlen beim Fußball abnehmen und sogar weniger Polizeibeamte eingesetzt werden mussten. Folglich sind die Fußballstadien in Deutschland sicher!

Zweitens finden wir es problematisch, dass die Innenminister- und Sportministerkonferenzen das für die angesprochenen Themen zuständige Gremium (NASS), in dem sie jeweils mit Sitz und Stimme vertreten sind, umgehen und in einer Parallelstruktur (BloAG) intransparent Dinge erarbeiten, die originär im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) behandelt werden müssen. Der NASS wurde vor über 30 Jahren eingerichtet, um die Stadien sicherer und vielfältiger zu machen. Die BAG der Fanprojekte ist ein beratendes Mitglied. Die Entwicklung rund um die Fußballstadien zeigt, dass diese Arbeit auf breiter Front erfolgreich ist.

Die angedachten Maßnahmen ignorieren die Erfolge der letzten drei Jahrzehnte!

Drittens ist es fragwürdig, dass zum wiederholten Mal die Fans als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt nicht miteinbezogen wurden. Auch wenn diese seit vielen Jahren konstruktiv an den Themen (u.a. Stadionverbote, Pyrotechnik) arbeiten, wird auf deren Expertise verzichtet, obwohl deren Einbindung auf der Pressekonferenz des Sicherheitsgipfels am 18.10.2024 angekündigt wurde.

Fans sind sich ihrer Verantwortung für alle im Stadion bewusst und sie tun alles, um die nicht organisierten Zuschauer*innen mitzunehmen. Flugblätter, selbst gefertigte Spieltagshefte und Fanzines gibt es in fast jedem Stadion. Club-Fan-Dialog-Formate sind in den ersten drei Ligen Pflichtaufgabe der Vereine und werden dort, wo sie einladend gestaltet werden, gerne angenommen. Die Verbände haben ihre eigenen Dialog-Formate und arbeiten daran, diese stetig zu verbessern. Es gibt die Kommission Fans und Fankulturen im DFB, in der von den Fanorganisationen engagiert diskutiert und gestritten wird, immer darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Auch die BAG der Fanprojekte ist Teil der oben genannten Kommission und steht seit Jahrzehnten für Dialog und Erfahrungswissen.

Mit der Demonstration unter dem Motto „Der Fußball ist sicher!“ am 16.11.2025 in Leipzig, zu der innerhalb von wenigen Tagen eine fünfstellige Zahl an Teilnehmenden aus ganz Deutschland mobilisiert wurde, setzten die Fanszenen ein starkes Zeichen für ein sicheres Stadionerlebnis und ihre Fankultur und brachten ihre Anliegen für Fan- und Bürgerrechte demokratisch auf die Straße.

Wir begrüßen die Forderungen der Fans nach Versachlichung der Debatte und plädieren dafür, dass die Diskussion da geführt wird, wo sie hingehört. Automatische bundesweite Stadionverbote bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und personalisierte Eintrittskarten tragen nicht zur Verringerung der Polizeieinsatzstunden bei.

Kontakt für Rückfragen: info@bag-fanprojekte.de

Vernetzungstreffen zur historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport am 24. und 25.10.2025 in Leipzig

In Leipzig fand diesen Herbst ein zweitägiges Vernetzungstreffen zur historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport und Fußball statt. Die Veranstaltung wurde vom Fanprojekt Leipzig initiiert und gemeinsam mit der Lernkurve Leipzig, der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF) sowie der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig organisiert. Unterstützung kam außerdem von der Gedenkstätte Mittelbau-Dora und der Sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG). Die Universität Leipzig stellte die Räumlichkeiten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zur Verfügung.

Den Auftakt bildete ein historischer Rundgang der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig zu den ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagern im Umfeld der heutigen Red Bull Arena. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick in die Verflechtungen von Leipziger Stadtgeschichte, NS-Zwangsarbeit und lokaler Fußballhistorie.

Ein anschließendes Grußwort von Dr. Petra Tzschoppe, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes und langjährige Lehrende an der Universität Leipzig, betonte die Relevanz historisch-politischer Bildungsarbeit im Sport. Die darauf folgenden Fachvorträge von Dr. Veronika Springmann (Deutsches Sportmuseum Berlin), Dr. Andreas Kahrs (What Matters) und Paula Scholz (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) beleuchteten kritisch die Rolle des Sports im Nationalsozialismus sowie aktuelle Herausforderungen der Vermittlung der NS-Geschichte in außerschulischen Bildungseinrichtungen und Institutionen wie Sportvereinen, Fanprojekten und Sportverbänden. Anschließend wurden die Inhalte in einer moderierten Podiumsdiskussion vertieft und auf verschiedene Fragen der Zuhörer*innen eingegangen.

Die Workshops des zweiten Veranstaltungstages boten praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Formen historisch-politischer Bildungsarbeit im Sport. Unter der Leitung von Monika Urbich (Arolsen School) beschäftigte sich der erste Workshop mit digitalen Lernformaten im Fußballkontext. Die Teilnehmenden lernten verschiedene digitale Werkzeuge und Lernmodule kennen, die Themen wie Ausgrenzung, Zugehörigkeit und historische Verantwortung behandeln. Dabei konnten sie interaktive Tools selbst erproben und deren Einsatzmöglichkeiten in der historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport diskutieren.

Ein weiterer Workshop, geleitet von Alexander John Bolton (Gedenkstätte Buchenwald), widmete sich der Erinnerungsarbeit in Social Media. Anhand konkreter Beispiele – darunter Instagram-Reels, Kurzformate und unterschiedliche Formen digitalen Storytellings – wurde gezeigt, wie erinnerungskulturelle Inhalte zeitgemäß aufbereitet und vermittelt werden können. Die Gruppe reflektierte sowohl die Potenziale als auch die Grenzen digitaler Plattformen für die pädagogische Arbeit.

Der dritte Workshop wurde von Dr. Veronika Springmann (Deutsches Sportmuseum Berlin) und Dr. Andreas Kahrs (What Matters) durchgeführt und thematisierte Sport in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Ausgehend von historischen Quellen und Biografien erarbeitete die Gruppe die unterschiedlichen Funktionen, die Sport im KZ-System erfüllte. Zudem wurden aktuelle Bildungsmaterialien vorgestellt und methodische Zugänge diskutiert, die eine verantwortungsbewusste Vermittlung dieses sensiblen historischen Themenfeldes ermöglichen.

Die Workshops boten viel Raum für einen intensiven Austausch über methodische Fragen, digitale Innovationen und eine verantwortungsvolle Vermittlung der nationalsozialistischen Geschichte im Sport.

Im Rahmen der darauffolgenden Projektmesse stellten Teilnehmende und Gäste ihre Projekte und Initiativen vor. Die Messe diente als Plattform für Vernetzung, gegenseitige Beratung und erste Kooperationsansätze über regionale Grenzen hinweg.

Zum Abschluss des Tages kamen alle Teilnehmenden erneut zusammen, um in gemeinsamen Tischgesprächen über verschiedene Fragestellungen zu diskutieren. Dieser abschließende Austausch bot die Gelegenheit, die Inhalte der beiden Veranstaltungstage gemeinsam zu reflektieren, neu gewonnene Impulse im eigenen Denken zu verankern und erste Ansätze für zukünftige Projekte und Ideen weiterzuentwickeln.

Die Veranstaltung verdeutlichte die zentrale Rolle des Fußballs und Breitensports bei der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte, gesellschaftlicher Verantwortung und moderner Bildungsarbeit. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit von Fanprojekten, Vereinen, Gedenkstätten, Hochschulen und zivilgesellschaftlichen Initiativen entstand ein fachlicher Dialog, der langfristig zur Weiterentwicklung historisch-politischer Bildung im Sport beitragen wird.

Besonderer Dank gilt den Fördermittelgeber*innen DSJ – Deutsche Sportjugend, gefördert vom Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, sowie PFiFF – Deutsche Fußball Liga, deren finanzielle Unterstützung die Durchführung dieser Veranstaltung erst möglich machte.

Das Fanprojekt kann weitermachen

Die Arbeit des Leipziger Fanprojektes geht weit über Fußball hinaus. Sozialpädagog:innen begleiten Jugendliche und junge Erwachsene, die zu den Fanszenen von Lok, Chemie und RasenBallsport Leipzig gehören. Sie vermitteln in Konfliktsituationen am Spieltag, helfen bei großen und kleinen Problemen, leisten wichtige Bildungs- und Demokratiearbeit, schaffen sichere Räume in denen jugendliche Fußball-Fans Selbstwirksamkeit erleben und sind Übersetzer:innen der Anliegen von Fans in das Fußball-Netzwerk. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen ist diese Arbeit unverzichtbar: Sie sorgt für Austausch statt Abgrenzung, für Perspektiven statt Ausgrenzung – und sie stärkt das Miteinander in der Stadt.

Noch im Frühjahr schien die finanzielle Lage für das Leipziger Fanprojekt extrem schwierig. Jetzt gibt es Grund zur Freude: Dank Spenden, politischer Unterstützung und neuer Förderentscheidungen auf Landes- und Bundesebene konnte die angespannte Situation nicht nur stabilisiert, sondern auch verbessert werden. „Nach Monaten voller Unsicherheit ist es ein riesiger Erfolg, dass wir unsere Arbeit nicht nur fortsetzen, sondern auch weiterentwickeln können“, sagt Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts Leipzig bei Outlaw.

Im Mai 2025 machte Outlaw öffentlich, wie ernst die Lage für das Fanprojekt Leipzig geworden war. Weder die städtische noch die landesweite Förderung deckten den tatsächlichen Bedarf, und zusätzlich erschwerte die Deckelung der Fußballförderung im Haushalt unsere Arbeit deutlich. Die Konsequenz: Selbst ein Fortbestehen des Projekts in seiner bisherigen Form konnte nicht mehr gesichert werden. Für die sozialpädagogische Begleitung der Fanszenen war das eine unhaltbare Situation. „Allein der Gedanke, dass wir Angebote einstellen oder sogar schließen müssten, hat viele Jugendliche und junge Erwachsene in den Fanszenen beunruhigt“, erinnert sich Projektleiter Dr. Christian Kohn.

Über den Sommer hinweg hat sich das Blatt gewendet. Schon die Spendenkampagne brachte in kürzester Zeit mehr als 5.000 Euro zusammen – ein klares Zeichen, wie wichtig das Projekt für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist. Fans, Unterstützer:innen und Netzwerkpartner:innen machten deutlich: Diese Arbeit darf nicht auf Eis gelegt werden. Parallel dazu fanden auf Landesebene zahlreiche Gespräche zwischen den sächsischen Fanprojekten, ihren Trägern und den demokratischen Fraktionen im Landtag statt. Mit Erfolg: Die geplanten Kürzungen der sächsischen Fanprojekt-Förderrichtlinie wurden aufgehoben. Stattdessen wurde die Landesförderung für die Jahre 2025 und 2026 erhöht. „Das war für uns ein entscheidendes Signal“, betont Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts Leipzig: „Damit steht fest: Die Arbeit der Fanprojekte in Sachsen wird als bedeutend und unverzichtbar anerkannt.“

Auch auf Bundesebene gab es entscheidende Veränderungen. DFB und DFL haben nicht nur ihre Fördersummen erhöht, sondern auch ein lang angestrebtes Anliegen umgesetzt: Die bisher gemeinsame Förderung für Lok und Chemie wurde aufgeteilt. Damit steht dem Leipziger Fanprojekt nun mehr Geld als bislang zur Verfügung. Das bedeutet Planungssicherheit und die Möglichkeit, die Besonderheiten der Fanszenen besser zu begleiten. Ab 2026 können wir personell aufstocken und dringend benötigte Strukturverbesserungen umsetzen.

„Unser Dank gilt allen Spender:innen, Fans, politischen Partner:innen und Unterstützer:innen im Netzwerk. Ohne euch wäre diese positive Wendung nicht möglich gewesen“, sagt Christian Kohn.

Auch wir als Träger möchten uns herzlich bedanken – bei allen, die gespendet haben, bei der Politik, die Verantwortung übernommen hat, und bei DFB und DFL, die eine Lösung gefunden haben.

Sozialpädagog*in / Sozialarbeiter*in (m/w/d) in Teilzeit (25 Std./Woche) gesucht!

Für den Arbeitsbereich BSG (Betriebssportgemeinschaft) Chemie Leipzig sucht das Fanprojekt zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Teilzeit (25Std./Woche) eineN Sozialpädagog*in/Sozialarbeiter*in (m/w/d)

Kennziffer 5252621


Das Fanprojekt Leipzig begleitet seit 14 Jahren junge Fußballfans der Vereine RasenBallsport Leipzig, 1. FC Lokomotive Leipzig und BSG Chemie Leipzig innerhalb und außerhalb ihrer Lebenswelt. Gemeinsam mit den Fans möchten wir eine kreative und positive Fankultur auf- und ausbauen und die Lebensbedingungen von jungen Menschen verbessern.


Deine Aufgaben:

  • Du kümmerst dich im Rahmen unserer offenen Jugendarbeit um die Entwicklung und Durchführung regelmäßiger Angebote in den von uns bereitgestellten Fanräumen für die Fans der BSG Chemie Leipzig

  • Du begleitest im Rahmen unserer aufsuchenden Jugendarbeit ausgewählte Heim- und Auswärtsspiele der BSG Chemie Leipzig

  • Du hilfst bei der Organisation und Durchführung von Bildungsreisen im In- und Ausland

  • Du berätst jugendliche Fußballfans der BSG Chemie Leipzig zu unterschiedlichen Anliegen und Problemlagen

  • Du bringst dich aktiv in das Fußball-, Fanprojekte- und Jugendhilfe-Netzwerk auf regionaler und bundesweiter Ebene ein

  • Du arbeitest an der konzeptionellen Weiterentwicklung der Angebote des Fanprojektes mit


Dein Profil:

  • Abschluss als staatl. anerkannte:r Sozialpädagoge / Sozialpädagogin, Sozialarbeiter / Sozialarbeiterin, eine vergleichbare geistes-, sozialwissenschaftliche oder pädagogische Qualifikation/Ausbildung oder du möchtest berufsbegleitend Soziale Arbeit an einer Dualen Hochschule studieren

  • Du bist interessiert an Fußball-Fankultur

  • Du bist empathisch im Umgang mit Jugendlichen und besitzt diplomatisches Geschick in der Kommunikation mit Erwachseneninstitutionen

  • Du arbeitest selbstständig und verbindlich, bist aber auch teamfähig

  • Du bist sicher im Umgang mit MS-Office Programmen

  • Du bist zeitlich flexibel und in Besitz eines gültigen Führerscheins der Klasse B


Darauf kannst du dich freuen:

  • einen unbefristeten Arbeitsvertrag

  • Vergütung orientiert am branchenüblichen Gehalt, z. B. TVöD

  • betriebliche Altersvorsorge (arbeitgeberfinanziert)

  • 30 Tage Urlaub + 2 Regenerationstage + Heiligabend und Silvester als zusätzliche freie Tage

  • Mitgestaltungsmöglichkeiten und flache Hierarchien

  • professionelles Einarbeitungskonzept einschließlich wohnortnaher Willkommensveranstaltung

  • Teamtage, pädagogische Tage, Supervisionen

  • Entwicklungsmöglichkeiten durch interne und externe Weiterbildungsangebote

  • Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements

  • Zeitwertkonten (Möglichkeit einer Auszeit oder früheren Rente)

  • BusinessBike Fahrradleasing

  • Prämienprogramm „Mitarbeiter:innen werben Mitarbeiter:innen“ (600 EUR)

  • vergünstigte Angebote bei zahlreichen Shoppingportalen (corporate benefits)

  • Vergünstigungen durch eine Kooperation mit der LVB zum LVB-Jobticket


Interessiert? 
Möchtest du Teil unseres Teams werden? Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung über das Online-Formular auf unserem Karriereportal (www.outlaw-ggmbh.de) oder schriftlich – unter Angabe der Kennziffer.

Du hast vorab noch Fragen?
Melde dich gerne bei bewerbung@outlaw-ggmbh.de

Bitte achte darauf, dass wir bis zur Einstellung einen Nachweis deines vollständigen Masern-Schutzes benötigen.

Outlaw gGmbH
Christian Kohn
Käthe-Kollwitz-Straße 54
04109 Leipzig

Neue Bücher zum Thema Antisemitismus im Fußball in unserer Bibliothek

Unsere Bibliothek hat ab sofort eine neue Ecke zum Thema Antisemitismus und Fußball. Vor dem Hintergrund des weltweit zunehmenden Judenhasses, antisemitischer Demonstrationen und Boykottaufrufe ist es uns wichtig, über die Funktionsweisen und Formen des Ressentiments gegenüber Jüdinnen und Juden zu informieren. Auch in den Fußballstadien ist das lange totgeglaubte Vorurteil wieder zunehmend sichtbar.

In der erinnerungspolitischen Bildungsarbeit und mit Gedenkstätteninitiativen haben Vereine und Fans seit vielen Jahren die Erforschung von Antisemitismus im Sport vorangetrieben und immer wieder darauf verwiesen, dass „Nie wieder!“ keine hohle Phrase sein darf. Fußballstadien sind also durchaus eine Art Indikator, wenn es um gesellschaftliche Verwerfungen und Problemlagen geht.

Für alle, die sich intensiver mit dem Themenfeld beschäftigen wollen oder Fragen zu den komplexen gesellschaftlichen Problemlagen haben, finden sich ab sofort Klassiker der Antisemitismustheorie, Bücher über die nationalsozialistische Vergangenheit von Fußballclubs und Neuerscheinungen zum modernen Antisemitismus nach dem 7. Oktober. Kommt also gerne vorbei!

Die Anschaffungen für unsere Bibliothek erfolgten im Rahmen des Projekts „Das Schweigen der Fankurven“ mit freundlicher Unterstützung der DFB-Kulturstiftung, der Amadeu Antonio Stiftung und des sächsischen Förderprogramms Weltoffenes Sachsen.

„Für unsere Arbeit eigentlich unverzichtbar…“ Fachtag zum fehlenden Zeugnisverweigerunsgrecht in der (aufsuchenden) Sozialen Arbeit

Der Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V. hat als Dach- und Fachverband für die Arbeitsfelder Mobile Jugendarbeit und Streetwork in Sachsen zusammen mit dem Fanprojekt Leipzig Ende August einen Fachtag zum Zeugnisverweigerungsrecht auf die Beine gestellt. Im Soziokulturellen Zentrum Conne Island trafen sich knapp 40 Sozialpädagog:innen, Leitungen und Trägerverteter:innen, um vor allem den alltagspraktischen Umgang rund um die fehlende rechtlich Absicherung innerhalb einiger Felder der Sozialen Arbeit zu diskutieren.

Für nicht wenige sozialpädagogische Fachkräfte der aufsuchenden Arbeit und ihre Träger gehört es mittlerweile fast zur Normalität, mit Vorladungen von Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichten umgehen zu müssen. Die Grundlage der sozialpädagogischen Alltagsarbeit – das belastbare Vertrauensverhältnis und die Beziehungsarbeit mit der Zielgruppe – wird durch diese Praxis extrem gefährdet. Nicht selten zerstören die derzeitige Rechtsgrundlage und die daraus resultierenden Folgen jahrelang aufgebaute Beziehungsverhältnisse mit Klient:innen.

Georg Grohmann vom LAK leitete mit einer fokussierten juristischen und berufsethischen Problemanalyse in den Fachtag ein und skizzierte anschließend die unterschiedlichen Dilemmata, in denen die Akteur:innen der Sozialen Arbeit stecken. Allzu oft sind die komplexen und diffizilen Arbeitsaufträge an die Streetworker:innen einfach nicht in Einklang zu bringen mit den oft engen juristischen Rahmenbedingungen der Strafverfolgungsbehörden. In welche Problemsituationen man gerät, wenn Staatsanwaltschaft und Polizei die Sozialen Arbeit im Strafverfahren nutzen wollen, beschrieb in Anschluss Sophia Gerschel aus Karlsruhe. Die ehemalige Mitarbeiterin des ansässigen Fanprojektes sollte mit ihren beiden Kollegen als Zeugin in einem Ermittlungsverfahren aussagen. Als sie dies insbesondere mit dem Verweis auf ihre Arbeitsgrundlage, das Berufsgeheimnis und die berufliche Schweigepflicht ablehnte, geriet sie selbst in die Mühlen der Justiz. In ihrem eindrucksvollen Vortrag beschrieb sie die zermürbenden Auseinandersetzungen mit den Exekutivorganen, die juristischen Leerstellen und die persönlichen Schwierigkeiten, die der Fall mit sich gebracht hat. Umso wichtiger war der anschließende praktische Austausch: in Fallbeispielen, diskutierten die Teilnehmenden den praktischen Umgang mit der fehlenden rechtlichen Absicherung aus verschiedenen Blickwinkeln und in den diversen Arbeitsfeldern der aufsuchenden Arbeit und suchten nach bestmöglichen Auflösungen.

Deutlich wurde beim Fachtag vor allem eines: Vor dem Hintergrund der Spezialisierung und Weiterentwicklung von aufsuchender Sozialer Arbeit und der Präzisierung und Umfänglichkeit des gesetzlichen Arbeitsauftrages in den letzten Jahrzehnten, ist anzunehmen, dass ein fehlendes Zeugnisverweigerungsrecht früher oder später ein potentielles Strafbarkeitsrisiko für die jeweiligen Sozialarbeiter:nnen mit sich bringt. Der Fachtag hat versucht, für dieses Risiko ein Bewusstsein zu schaffen und nach Ursachen und Auswegen aus dieser Situation gesucht. Einfache Paradelösungen sind schwer, es kommt immer auf den Einzelfall an. Dass dabei alle Akteur:innen an einem Strang ziehen müssen – die Fachkräfte selbst, aber auch Team-Leitungen, Trägervertreter:innen, Justiziare und Dachverbände – war eine wichtige Essenz des Zusammentreffens.

Sport, Geschichte und Verantwortung – Einladung zum Vernetzungstreffen historisch-politische Bildungsarbeit im Sport

Liebe Kolleg*innen, Sportbegeisterte, Interessierte,
hiermit laden wir Euch herzlich zum 4. Vernetzungstreffen historisch-politische Bildungsarbeit im Sport ein, welches in diesem Jahr erstmals in Ostdeutschland stattfinden wird.

Mit einem Programm aus theoretischen Impulsen, praxisorientierten Workshops und viel Raum für Austausch und Vernetzung möchten wir die Gelegenheit für Wissenstransfers und das Knüpfen langfristiger, bereichernder Verbindungen innerhalb der Sportgemeinschaft schaffen. Eingeladen sind alle, die an der Verknüpfung von Sport und Politik interessiert sind, insbesondere Fußballfans, Ehrenamtliche aus dem Sport sowie Vertreter*innen von Verbänden und Vereinen. Da es am Samstag eine Art „Messe“ zur Vorstellung von gelingenden Projekten geben wird, laden wir Euch auch dazu ein, Informationsmaterialien mitzubringen. Für Menschen, die Reise- und Übernachtungskosten nicht über die Arbeit abrechnen können, gibt es die Möglichkeit eines Zuschusses. Die Veranstaltung selbst ist kostenfrei.

Wir bitten um Anmeldung zur Veranstaltung über folgenden Link.

Dort findet ihr auch Informationen zur Übernachtungsmöglichkeit und könnt euch bereits für einen Workshop anmelden.

Die Hotelbuchung über den Link (Anmeldungsformular) ist nur bis zum 28.09.2025 möglich, danach müssen Hotelzimmer selbstständig gebucht werden. Die Anmeldung zur Teilnahme an der Veranstaltung ist bis zum 23.10.2025 möglich.

 

Fragen und Hilfe zur Anmeldung unter:

fanprojekt.leipzig[at]outlaw-ggmbh.de

oder telefonisch:

0341 24775006

 

Im Folgenden findet Ihr eine Übersicht über Programm und Workshop – Angebot:

Veranstaltungsort
Universität Leipzig
Erziehungswissenschaftliche Fakultät – Haus 3
Marschner Straße 31
04109 Leipzig

 

Programmübersicht

Freitag, 24.10.2025

ab 13:00 Uhr: Ankommen (Snack)
14:00 Uhr: lockerer Stadtteil-Rundgang mit der Gedenkstätte für Zwangsarbeit im Leipziger
Westen (optional)
15:30 Uhr: Pause (Kaffee/Kuchen)
16:00 Uhr: Begrüßung und offizieller Beginn
16:30 Uhr: Impulsvorträge und Podium zu Funktionen von Sport in der NS-Diktatur
Referent*innen: Veronika Springmann (Sportmuseum Berlin), Andreas Kahrs (What Matters), Paula
Scholz (KZ-Gedenkstätte Neuengamme)
18:30 Uhr: gemeinsames Abendessen (auf Selbstzahlbasis)

Samstag, 25.10.2025

10:00 Uhr: parallele Workshops
13:00 Uhr: Pause (Mittagessen)
14:00 Uhr: „Messe“ für Projektpräsentation und Vernetzung
15:00 Uhr: gemeinsamer Abschluss mit Tischgesprächen
16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung

 

Workshop-Angebot

Workshop 1: Fußball als Lernraum – digitale Zugänge zu Geschichte und Gegenwart
Referent*in: Arolsen School
Inhalte:
In unserem digitalen Lernmodul nehmen wir junge Menschen mit auf eine virtuelle Reise über die Oberfläche eines Fußballs – und stellen dabei eine zentrale Frage: Wer darf eigentlich mitspielen? Anhand der Schwerpunkte Vereinsleben, Nationalismus und Fankultur thematisieren wir Zugehörigkeit und Ausgrenzung im Fußball – aus historischer und gegenwartsbezogener Perspektive. Im Fokus stehen Biografien von Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dabei fragen wir auch: Welche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus lassen sich über das gesellschaftliche Großphänomen Fußball bis heute erkennen? Das Modul verknüpft die Lebenswelt junger Menschen mit historischem Wissen und lädt zur kritischen Auseinandersetzung und Selbstreflexion ein. Im Workshop stellen wir auch Funktionen der digitalen Bildungsplattform vor mit einem Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von digitalen Tools und analogen Lernräumen. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, wie das Modul in der außerschulischen Bildungsarbeit – etwa in Fanprojekten, Jugendzentren oder Vereinen – zielgruppengerecht und praxisnah eingesetzt werden kann.

Workshop 2: Erinnerungsarbeit und Social Media
Referent: Alexander John Bolton (Gedenkstätte Buchenwald)
Inhalte:
Der Workshop beschäftigt sich mit der Verbindung von historisch-politischer Bildungsarbeit mit Social Media – Plattformen wie Instagram und zeigt dabei Möglichkeiten der digitalen Erinnerungsarbeit auf – zum Beispiel die Produktion von niedrigschwelligen Instagram-Reels für Gedenkstätten. Dabei geht es auch um die gesellschaftliche Relevanz der Sozialen Medien – gerade im Kontext von Sport, Fankultur und zivilgesellschaftlichem Engagement.

Workshop 3: Vorstellung der Bildungsmaterialien „Sport in nationalsozialistischen
Konzentrationslagern“
Referent*innen: Veronika Springmann (Sportmuseum Berlin), Andreas Kahrs (What Matters)
Inhalte:
Sport hat viele Aspekte. Sport kann Vergnügen sein, aber auch Qual. Die Bildungsmaterialien „Sport in nationalsozialistischen Konzentrationslagern“ geben die Möglichkeit sich mit diesen Phänomen im Konzentrationslager zu beschäftigen. Sie zeigen darüber hinaus einen Weg auf, wie Sport zu einem Ausgangspunkt werden kann, um etwas über die Geschichte des Nationalsozialismus und der nationalsozialistischen Konzentrationslager zu erfahren.

 

Wir freuen uns auf ein bereicherndes Vernetzungstreffen mit Euch!

 

Diese Veranstaltung wird organisiert von:

Fanprojekt Leipzig | Lernkurve Leipzig | IVF Leipzig | Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig | Gedenkstätte Mittelbau-Dora | Universität Leipzig – Sportwissenschaftliche und Erziehungswissenschaftliche Fakultät | sLAG – Sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Außerdem wird sie gefördert durch:

DSJ – Deutsche Sportjugend gefördert vom BMI aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und PFiFF – Deutsche Fußball Liga 

Anmeldeformular

Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim (Auschwitz)

Nach monatelanger Vorbereitung und mehreren Treffen unserer Vorbereitungsgruppe war es am 7. Juli 2025 endlich soweit: Unsere Reise nach Oświęcim, besser bekannt als Auschwitz, konnte starten.

Am Morgen trafen sich alle Teilnehmenden am Fanprojekt Leipzig, die letzten Unterlagen wurden geprüft und die Beiträge eingesammelt. Zwar sind von den ursprünglich geplanten 18 Plätzen nur 12 besetzt worden, aber die kleinere Gruppe hat sich letztlich als genau richtig erwiesen. Gegen Nachmittag erreichten wir die Internationale Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim, wo wir freundlich empfangen wurden. Nach dem Einchecken und einer Einführung in die Arbeit der IJBS konnten wir den Tag ruhig ausklingen lassen und uns bei einem lockeren Abend in der Bibliothek und ein paar Runden Tischtennis auf die kommenden Tage einstimmen.

Am nächsten Morgen stand ein Workshop auf dem Programm, der uns intensiv auf den Gedenkstättenbesuch vorbereitete. Gemeinsam erarbeiteten wir Grundwissen über die Entstehung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, die Struktur des Lagerkomplexes und die unglaublichen Dimensionen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Alte Fotografien, insbesondere aus dem sogenannten „Auschwitz-Album“, machten das Geschehene greifbarer. Diese Einführung war wichtig, um mit dem nötigen historischen und emotionalen Bewusstsein in den Gedenkstättenbesuch zu gehen.

Am Nachmittag folgte dann der Besuch des Stammlagers Auschwitz I. Eine fachkundige Referentin führte uns über das Gelände und durch die Ausstellungen, erklärte Hintergründe und Zusammenhänge und ließ uns an vielen Stellen einfach still werden. Besonders die Räume mit persönlichen Gegenständen der Ermordeten – Schuhe, Koffer, Haare – haben bei allen Teilnehmenden einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es war still, bedrückend und gleichzeitig wichtig, das alles zu sehen. Am Abend nutzten wir die Zeit, um in der Gruppe über unsere Eindrücke zu sprechen, Fragen zu klären und auch einfach durchzuatmen.

Am darauffolgenden Tag besuchten wir das Gelände von Auschwitz-Birkenau. Dort, wo die meisten Menschen ermordet wurden, sind heute nur noch Ruinen der Baracken und Gaskammern zu sehen. Das riesige, offene Gelände, der Regen, die Weite und die Stille – all das machte deutlich, mit welcher Unfassbarkeit wir es hier zu tun haben. Viele der Jugendlichen stellten Fragen, wollten verstehen, diskutierten. Trotz des schweren Themas war spürbar, dass alle die Bedeutung des Ortes verstanden.

Am Nachmittag stand dann eine Stadtführung in Oświęcim selbst auf dem Programm. Dabei ging es um das frühere jüdische Leben in der Stadt – eine Geschichte von Nachbarschaft, Alltag und Kultur, die durch die Shoa ausgelöscht wurde. Heute erinnert kaum noch etwas daran.

Am Abend sprachen wir im Rahmen des Projekts Lediz über digitale Zeitzeug:innenschaft. Dabei ging es um die Frage, wie man Erinnerung heute, im digitalen Zeitalter, vermitteln kann – auch dann, wenn keine Zeitzeug:innen mehr persönlich berichten können. Zwei Wochen später griffen wir dieses Thema bei einem Workshop im Fanprojekt Leipzig wieder auf. Dort beschäftigten wir uns mit der Geschichte von Eva Umlauf, einer Auschwitz-Überlebenden, deren digitales Zeugnis wir über das Lediz-Portal erkundeten. Mithilfe Beamer und Leinwand konnten die Teilnehmenden ihr zuhören, Fragen stellen und so in einen digitalen Dialog treten. Das war eine ganz neue, teils ungewohnte, aber intensive Erfahrung. Auch wenn klar wurde, dass digitale Formate ein echtes Zeitzeug:innengespräch nicht ersetzen können, eröffnen sie neue Möglichkeiten, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen – besonders für junge Menschen.

Zum Abschluss der Fahrt besuchten wir Krakau. Eine Stadtführung durch die jüdischen Viertel Kazimierz und Podgórze zeigte uns, dass jüdisches Leben heute wieder lebendig ist – wenn auch ganz anders als vor dem Holocaust. Nach vielen Tagen voller Emotionen und schwerer Themen war das ein wertvoller Perspektivwechsel und ein schöner Abschluss.

Am letzten Tag stand dann kein fester Programmpunkt mehr auf dem Plan. Stattdessen nutzten wir die Zeit für eigene Erkundungen, bevor wir am Nachmittag die Heimreise antraten. Gegen 22 Uhr kamen wir erschöpft, aber voller Eindrücke und Gedanken wieder in Leipzig an.

Die Fahrt nach Oświęcim war eine intensive und nachhaltige Erfahrung – für alle Beteiligten. Sie hat Wissen vermittelt, vor allem aber Haltung gestärkt: gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Gleichgültigkeit. Wir bedanken uns herzlich bei der IJBS Oświęcim, beim Projekt Lediz und bei allen Referent:innen für die großartige Zusammenarbeit – und ganz besonders bei unseren Teilnehmenden für ihr Engagement, ihre Offenheit und ihren Respekt.

Ein besonderer Dank gilt unseren Förderinstitutionen: PFiFF – dem Programm zur Förderung innovativer Fankultur des DFB, der DFB-Kulturstiftung sowie dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne ihre Unterstützung wäre diese eindrucksvolle Bildungsfahrt nicht möglich gewesen.