Jugend-Ferienfahrt zum Testspiel nach Innsbruck

Vom 16. bis 19. Juli fand eine vom Fanprojekt Leipzig  organisierte Ferienfahrt und Exkursion nach Innsbruck statt. Das Ziel der Reise mit jugendlichen Chemiefans war es, durch die Kombination aus Bildung, sportlicher Aktivität und sozialen Erfahrungen die persönliche Entwicklung unserer Klientel nachhaltig zu stärken. Das Hauptaugenmerk lag für die meisten auf dem am 18. Juli stattfindenden Freundschaftsspiel zwischen Wacker Innsbruck und der BSG Chemie Leipzig. Doch sowohl das Besteigen des Patscherkofels (2.246 m) als auch das Erkunden der Geschichte der Hauptstadt Tirols standen dem Fußballspiel in nichts nach. Nicht nur die Fans aus Innsbruck, sondern auch das Wetter meinten es sehr gut mit uns, sodass die Reise durch und durch ein voller Erfolg war. Das Fazit der Jugendlichen und des Fanprojekts war deckungsgleich: „Chemie Leipzig gern öfter international!“

Die Fahrt wurde vom Förderverein 64 e.V. und vom Amt für Jugend und Familie unterstützt und gefördert. Vielen Dank!

Fußball- und Fankultur in Syrien in Zeiten des Krieges – Vortrag von Nadim Rai

Letzten Freitag war Nadim Rai im Fanprojekt Garten zu Gast, um einen spannenden Vortrag über die syrische Fußball- und Fankultur zu halten. Etwa zwanzig junge Fans von RasenBallsport Leipzig lauschten rund neunzig Minuten lang seinen spannenden Ausführungen und Geschichten über das vom Krieg geprägte Land und seine Fußballfans.
Die Erzählung begann im Jahr 2009, als rund um Nadims Heimatort Latakia die ersten ultraaffinen Fangruppierungen entstanden, an denen er selbst beteiligt war. Nadim berichtete zunächst allgemein darüber, welche Vereine und Stadien in der ersten syrischen Fußballliga von Bedeutung sind und welche Fangruppierungen in der Öffentlichkeit und in den Stadien auftreten.
Anschließend schilderte er, wie sich die Situation für die Vereine und ihre Fans während des Bürgerkriegs veränderte. Er berichtete von der Zeit, als die Liga im Jahr 2012 abgebrochen werden musste und in den folgenden Jahren nur mit einer reduzierten Anzahl an Mannschaften und Spielorten durchgeführt werden konnte. Dabei ging es auch darum, wie Stadien zu Flüchtlingslagern oder Hubschrauberlandeplätzen umfunktioniert wurden. Ebenso erzählte Nadim davon, wie Fans in den Bürgerkrieg involviert wurden, selbst als Soldaten eingezogen wurden oder als Rebellen gegen die Regierung kämpften.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den unterschiedlichen religiösen und ethnischen Strömungen, die in Syrien existieren, und darauf, wie sich diese teilweise auch anhand verschiedener Fußballvereine abbilden. Nadim zeigte, wie diese Gruppen während des Krieges miteinander oder gegeneinander kämpften und welche Auswirkungen dies auch auf die Fußball- und Fankultur hatte.
Besonders interessant war, dass trotz des verheerenden Kriegsverlaufs, der massiven Zerstörung und der hohen Opferzahlen relativ schnell wieder Fußball gespielt wurde. Auch die Fans kehrten in teilweise beschädigte oder zwischenzeitlich anderweitig genutzte Stadien zurück. Gleichzeitig wurde auch an die im Krieg verstorbenen Fans erinnert.
Dennoch hat sich die syrische Fan- und Ultrakultur während und nach dem Krieg wieder erholt. Nadim konnte uns beeindruckende Bilder und Videos von syrischen Fans zeigen und Einblicke in Choreografien und Fangesänge geben.
Besonders eindrucksvoll ist auch die persönliche Geschichte von Nadim Rai, da seine Fluchtgeschichte nach Deutschland ebenfalls Teil seines Vortrags war. Er hält weiterhin engen Kontakt zu seinem alten Verein und seiner früheren Fanstruktur. Gleichzeitig hat er sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut und kann seiner Faszination für das Fansein und die Ultrakultur auch hier nachgehen.
Durch seine Leidenschaft für Fußball- und Fankultur konnte er auch in Deutschland schnell Bekanntschaften und Freundschaften mit Menschen schließen, die dieselben Interessen teilen. Durch die Entwicklung dieses Vortrags hat er bereits viele verschiedene Fanszenen und Fanprojekt-Standorte besucht und die Geschichte der syrischen Fankultur zahlreichen jungen Menschen in Deutschland nähergebracht.
Ein bemerkenswerter Satz aus dem Vortrag war: Nadim hat durch seine Leidenschaft für Fankultur wahrscheinlich mehr mit einem deutschen Fußballfan gemeinsam als mit einem syrischen Mathematiker.
Dieser Satz verdeutlicht die universelle Verbindung, die durch ein gemeinsames Interesse entstehen kann und die Menschen über Ländergrenzen und unterschiedliche Herkünfte hinweg miteinander verbindet – unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Aussehen, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit.
Das ist wohl die eindringlichste Botschaft dieses Besuchs von Nadim Rai: Fußball- und Fankultur kann Menschen miteinander verbinden, selbst wenn ihre Lebensgeschichten, ihre Herkunft und ihre Erfahrungen kaum unterschiedlicher sein könnten.

Herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung der Stadt Leipzig bei der Umsetzung dieser Verastaltung. Die Partnerschaft für Demokratie „Leipzig. Ort der Vielfalt“ wird aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und des Landes Sachsen finanziert.

Bildungsfahrt Tschechien – Besuch der Gedenkstätte Theresienstadt

Anfang Juli machte sich eine Gruppe junger Fußballfans aus der Fanszene von Rasenballsport Leipzig gemeinsam mit dem Fanprojekt Leipzig auf den Weg nach Tschechien. Ziel der viertägigen Studienfahrt war die Gedenkstätte Theresienstadt in Terezín. Neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus standen auch gemeinsames Zelten, Wandern und Freizeitaktivitäten auf dem Programm.

Am Freitagmorgen machte sich der erste Teil der Gruppe bereits um 8:30 Uhr auf den knapp vierstündigen Weg nach Tschechien. Nach einer durchaus imposanten Fahrt durch die Böhmische Schweiz und Teile des Zittauer Gebirges kamen wir gegen Mittag am ersten Campingplatz an. Dort mussten wir allerdings feststellen, dass dieser bereits vollständig ausgebucht war. Da eine Vorreservierung nicht möglich gewesen war, suchten wir kurzerhand im benachbarten Ort nach einer Alternative und wurden fündig. Auf einem anderen Campingplatz konnten wir schließlich einen großen Bereich beziehen, auf dem ausreichend Platz für die gesamte Gruppe vorhanden war.

Nachdem Pavillon und Zelte aufgebaut waren, blieb noch Zeit für einen ersten Einkauf und um die Umgebung und den nahe gelegenen See zu erkunden. Gegen 18 Uhr war die gesamte Gruppe angereist und wir ließen den ersten Tag bei einem gemeinsamen Grillabend ausklingen.

Am Abend bereiteten wir uns außerdem gemeinsam auf den Besuch der Gedenkstätte am nächsten Tag vor. Wir sprachen darüber, welche Erfahrungen die Jugendlichen bereits mit Gedenkstättenbesuchen gemacht hatten, und beschäftigten uns mit einigen grundlegenden Informationen zur Geschichte des ehemaligen jüdischen Ghettos Theresienstadt. Den Abschluss des Abends bildete eine große Runde Werwolf mit etwa 20 Personen.

Besuch der Gedenkstätte Theresienstadt

Am nächsten Morgen ging es früh los, damit wir pünktlich um 10 Uhr in der Gedenkstätte sein konnten. Dort wurden wir von unserem Tour- und Tagesbegleiter aus dem Freiwilligendienst der Gedenkstätte Theresienstadt begrüßt.

Zu Beginn des Rundgangs erfuhren wir zunächst etwas über die Entstehung der Stadt Terezín in den 1780er-Jahren als Festungs- und Garnisonsstadt der Habsburger Monarchie. Auf der Stadtmauer konnten wir uns einen Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen der Festungsanlage verschaffen. Die doppelten Stadtmauern, der breite Wehrgraben und die erhaltene Struktur der Stadt vermitteln noch heute einen Eindruck von ihrer ursprünglichen Funktion.

Anschließend ging es um die Geschichte Terezíns während des Nationalsozialismus. Wir erkundeten verschiedene Orte innerhalb der Stadt und erfuhren, wie Theresienstadt ab 1941 als Ghetto in das nationalsozialistische Verfolgungs- und Deportationssystem eingebunden wurde.

Dabei wurde auch deutlich, dass Theresienstadt nicht einfach mit einem Konzentrationslager gleichzusetzen ist. Das Ghetto wurde am 24. November 1941 eingerichtet und diente zunächst vor allem als Transitghetto für tschechische Jüdinnen und Juden. Ab 1942 wurden zudem zahlreiche deutsche und österreichische Jüdinnen und Juden nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurden die Menschen in großer Zahl weiter in Ghettos, Konzentrationslager und insbesondere in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa deportiert.

Wir erfuhren, wie das Ghetto organisiert und kontrolliert wurde und welche Rolle die jüdische Selbstverwaltung dabei spielen musste. Gleichzeitig wurde deutlich, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Menschen leben mussten. Vor der Einrichtung des Ghettos lebten etwa 7.000 Menschen in Terezín. Im Laufe des Jahres 1942 befanden sich dort zeitweise mehr als 50.000 jüdische Menschen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die systematische Täuschung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung. Die Nationalsozialisten stellten Theresienstadt gegenüber bestimmten Gruppen deutscher und österreichischer Jüdinnen und Juden als vermeintlich sicheren Alters- oder Siedlungsort dar. Unter dem Vorwand einer angeblich sicheren Umsiedlung wurden die Menschen dazu gebracht, ihre Wertgegenstände und ihr Vermögen abzugeben.

In den Ausstellungen und Museen konnten wir anschließend einen Eindruck vom Alltag im Ghetto gewinnen. Karge Unterkünfte, überfüllte Schlafsäle sowie Fotografien und Dokumente zeigten die Lebensbedingungen der Gefangenen. Gleichzeitig erfuhren wir mehr über die Geschäfte und Einrichtungen, die innerhalb des Ghettos existierten und von der jüdischen Selbstverwaltung organisiert wurden.

Besonders deutlich wurde dabei die nationalsozialistische Propaganda. Für den Besuch einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes wurde das Ghetto 1944 aufwendig „verschönert“, um nach außen den Eindruck eines scheinbar normalen Lebens zu vermitteln. Anschließend produzierten die Nationalsozialisten sogar einen Propagandafilm über Theresienstadt.

Kunst, Musik und Fußball

Neben Verfolgung, Hunger, Krankheit und Deportationen beschäftigten wir uns auch mit der kulturellen Selbstbehauptung der Gefangenen. Trotz der unmenschlichen Bedingungen entstanden im Ghetto zahlreiche Kunstwerke, literarische Texte und musikalische Arbeiten. Es fanden heimlich Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Lesungen statt.

Diese kulturellen Aktivitäten waren für viele Menschen eine Möglichkeit, sich ein Stück ihrer eigenen Identität und Menschlichkeit zu bewahren. Ein Teil der entstandenen Kunstwerke dokumentierte zugleich die tatsächlichen Lebensbedingungen im Ghetto.

Nach dem mehrstündigen Rundgang beschäftigten wir uns am Nachmittag in einem Workshop mit den Lebensgeschichten von Wilhelm Waltuch und Benno Nettl. In Kleingruppen zeichneten wir die Biografien der beiden jüdischen Gefangenen und ihrer Familien nach. Dabei suchten wir auch nach konkreten Spuren ihrer Anwesenheit vor Ort, unter anderem nach eingeritzten Schriften in den Sandsteinmauern der Festung.

Diese Auseinandersetzung mit den konkreten Lebensgeschichten machte die Geschichte noch einmal auf eine andere Weise erfahrbar. Hinter den abstrakten Zahlen und dem Begriff „Holocaust“ standen plötzlich einzelne Menschen mit ihren Familien, ihrem Alltag und ihren persönlichen Geschichten. Für viele von uns war dies ein besonders eindringlicher und bewegender Teil des Tages.

Nach insgesamt etwa sieben Stunden in Theresienstadt kehrten wir zum Campingplatz zurück. Den Abend verbrachten wir gemeinsam bei einem Essen in einer nahe gelegenen Gaststätte und anschließend mit weiteren Gesellschaftsspielen.

Wandern im Naturschutzgebiet

Am nächsten Tag frühstückten wir gemeinsam. Aufgrund des regnerischen Wetters entschieden wir uns gegen einen ursprünglich geplanten Ausflug und machten stattdessen eine Wanderung durch ein nahe gelegenes Naturschutzgebiet. Vorbei an verschiedenen Sandsteinformationen waren wir insgesamt etwa sechs Stunden unterwegs.

Am Abend wurde wieder gemeinsam gegrillt und wir nutzten die Zeit, um die vergangenen beiden Tage noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen. Dabei ging es sowohl um die Eindrücke aus Theresienstadt als auch um die persönlichen Erfahrungen während der Fahrt.

Am Montagmorgen wurde nach dem Frühstück alles zusammengepackt und gegen 11 Uhr die Rückfahrt nach Leipzig angetreten.

Fußball im Ghetto Theresienstadt

Die Auseinandersetzung mit Theresienstadt endete jedoch nicht mit der Rückfahrt. Am 8. und 14. Juli trafen wir uns noch einmal in zwei Gruppen im Fanprojekt, um gemeinsam die Dokumentation „Liga Terezin“ anzuschauen.

Der Film beschäftigt sich mit dem Fußball im Ghetto Theresienstadt und insbesondere mit den Filmaufnahmen, die von den Nationalsozialisten 1944 zu Propagandazwecken produziert wurden. Bereits während unserer Führung hatten wir erfahren, dass im Ghetto Fußball gespielt wurde. Aufgrund der Vielzahl der Themen konnte dieser Aspekt dort allerdings nur am Rande behandelt werden.

Die Dokumentation ermöglichte uns, diesen Teil der Geschichte noch einmal genauer zu betrachten. Dabei wurde deutlich, dass Fußball für die Gefangenen trotz der menschenunwürdigen Bedingungen auch eine Möglichkeit war, dem grausamen Alltag für kurze Zeit zu entkommen. Gleichzeitig nutzten die Nationalsozialisten die Bilder von Fußballspielen für ihre Propaganda und die Täuschung der internationalen Öffentlichkeit.

Durch die gemeinsame Sichtung des Films konnten wir die Erfahrungen aus der Gedenkstätte und dem Workshop noch einmal aufgreifen und vertiefen.

Die Studienfahrt nach Theresienstadt hat uns damit nicht nur einen intensiven Einblick in die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust ermöglicht. Sie hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, Geschichte an konkreten Orten und anhand konkreter Biografien erfahrbar zu machen. Die Verbindung zur eigenen Lebenswelt der Jugendlichen – insbesondere über das Thema Fußball – hat dabei einen besonderen Zugang geschaffen.

Auch die gemeinsame Zeit außerhalb der Gedenkstätte war ein wichtiger Bestandteil der Fahrt. Das gemeinsame Zelten, Kochen, Grillen, Wandern und die Gespräche haben die Gruppe zusammengebracht und Raum für Austausch und Reflexion geschaffen.

Für uns als Fanprojekt ist die Fahrt deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer sozialpädagogischen und historisch-politischen Bildungsarbeit. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und gemeinsam mit jungen Menschen über die Ursachen und Folgen von Rassismus, Antisemitismus und menschenverachtenden Ideologien ins Gespräch zu kommen, bleibt eine wichtige Aufgabe – auch und gerade im Fußball.

Wir danken der Initiative Weltoffenes Sachsen für die finanzielle Unterstützung dieser Bildungsreise.

Das Fanprojekt Leipzig sucht ab 01.08.2026 eine*n Sozialpädagog*in/Sozialarbeiter*in (m/w/d) für den Arbeitsbereich Rasenballsport Leipzig in Vollzeit (40 Wochenstunden)

Staatsminister Schuster zu Gast beim Fanprojekt-Beirat

Am 19.05.26 fand unsere Beiratssitzung statt – und es war der wahrscheinlich bislang spannendste Beirat in der Geschichte unseres Fanprojekts:
Armin Schuster, sächsischer Staatsminister des Innern, hatte eine Einladung unserer Beiratsvorsitzenden Vicki Felthaus (Beigeordnete für Jugend, Schule und Demokratie der Stadt Leipzig) und unserer Leitung Christian Kohn angenommen. Hintergrund der Einladung waren die Äußerungen einiger Innenminister zur Wirksamkeit der Fanprojektarbeit, die im November 2024 im Zuge eines Treffens zwischen den Fußballverbänden und der Politik öffentlich wurden.

Nach einem Bericht zu ausgewählten Aktivitäten des Fanprojekts und unseres Lernzentrums aus dem letzten halben Jahr stellten Dr. Moritz Gruban (University of London) und Associate Prof. Aurélien Feix (EDHEC Business School, Lille) die Nebenergebnisse ihrer momentan noch laufenden, interviewbasierten Studie zur Wahrnehmung der Zusammenarbeit im Leipziger Netzwerk Sport und Sicherheit vor, in der es auch um die Wirksamkeit unserer Arbeit geht. Sie stellten beide im ersten Teil ihres Vortrags heraus: alle Netzwerkpartner bescheinigen uns eine hohe Wirksamkeit in der Arbeit. Im zweiten Teil ihres Vortrags machten die beiden Forscher aber auch Vorschläge, wie die Messung von Wirksamkeit in Bereichen unserer Arbeit aussehen könnte, die eher schwer zu evaluieren sind.

Wir möchten uns beim Staatsminister, Moritz Gruban und Aurélien Feix sowie den über 20 Beiratsmitgliedern für die offene Atmosphäre und den produktiven 2 1/2 stündigen, nicht gerade alltäglichen Austausch bedanken.

Wir konnten viele Akzente im Sinne der professionellen Fansozialarbeit setzen und denken, der Austausch hat allen Beteiligten neue Erkenntnisse gebracht.

Bild, v. l. n. r.: Dr. Moritz Gruban (University of London), Susanne Wolff (Geschäftsführerin der Outlaw gGmbH), Dr. Christian Kohn (Leiter Fanprojekt Leipzig), Armin Schuster (Sächsischer Staatsminister des Innern), Felix Sauerbrey (Leiter des Amts für Jugend und Familie der Stadt Leipzig)

Die innenpolitische Ausweitung des Gefahrenbegriffs und die Bedeutung für Fußballfans

Podiumsdiskussion mit der Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen zum neuen Sächsischen Polizeigesetz.

Ordnungs- und sicherheitspolitische Debatten spielen in der Fansozialarbeit schon immer eine große Rolle. Im Alltag, im Stadion und auch im Austausch mit unserem Netzwerk. Fanprojekte thematisieren die  Auswirkungen auf Fußballfans, tragen Kritik aus den Fanszenen weiter oder problematisieren die oftmals eindimensionale Ausrichtung innenpolitischer Diskussionen.

Anlässlich der im Juli anstehenden Novellierung des Sächsischen Polizeigesetzes war unser Mitarbeiter Sebastian Kirschner von der Landtagsfraktion der BündnisGrünen vergangene Woche zu einem Podiumsgespräch ins „Grüne Quartier“ im Leipziger Osten eingeladen.  Zusammen mit dem innenpolitischen Sprecher der BündnisGrünen im Landtag  Valentin Lippmann und der Sächsischen Datenschutzbeauftragten Dr. Juliane Hundert sollte die Veranstaltung vor allem über die vielen Neuerungen der Gesetzesvorlage informieren, gleichzeitig aber auch deren rechtliche Verhältnismäßigkeiten und Fallstricke hinterfragen.

Der Sächsische Verfassungsgerichtshof hatte 2024 zentrale Vorschriften des seit 2020 geltenden sächsischen Polizeirechts  für teilweise verfassungswidrig und nicht vereinbar mit der Verfassung des Freistaates erklärt. Vor diesem Hintergrund musste das Gesetz zeitnah überarbeitet werden. Im Podiumsgespräch wurde sehr schnell deutlich, dass aus der angestrebten Verfassungskonformität eher eine potentielle Gesetzesverschärfung geworden ist. Die Frage, wieviel Gefahrenabwehr die freiheitliche Gesellschaft überhaupt verträgt, stand daher sinnbildlich über der Diskussion zum Gesetzesentwurf der Regierung. Der sieht u.a. den Ausbau der Quellen-TKÜ, das verdeckte und automatisierte Scannen von KFZ-Kennzeichen und den Einsatz sogenannter Taser vor. Größter Kritikpunkt am Gesetz ist aber der Einsatz Künstlicher Intelligenz zur automatisierten Datenanalyse, z.B. im Rahmen intelligenter Videoüberwachung, biometrischer Echtzeit-Fernidentifizierung und dem nachträglichen Abgleich mit biometrischen Daten aus dem Netz.

Zentral in der Diskussion mit dem Publikum war vor allem, die Frage, was das neue Gesetz mit seinen eher unscharfen und erweiterten Regelungen mit den Menschen macht. Fußballfans waren hier nur ein Beispiel, für eine Personengruppe, auf die die Verschärfungen im Rahmen der Gefahrenabwehr angewendet werden könnten. Neben der Erosion polizeilicher Eingriffsschwellen, dem Aufbau einer riesigen Datenmenge und der Quasi- Infragestellung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung kam auch zur Sprache, dass die neuen Anwendungsbausteine im Polizeirecht eher zur allgemeinen Verunsicherung beitragen könnten. Vor allem bei jungen Menschen, so der Tenor, stellen die „Überwachungsszenarien“ etwas mit dem Gerechtigkeitsempfinden an. Umso wichtiger ist es auch für uns als Fanprojekte, die stark emotionalisierte Debatte rund um innenpolitische Verschärfungen – egal ob im Stadion oder anderswo – wieder zurück auf eine sachliche Ebene zu führen.

Bildnachweis: Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag

Jugendfahrt nach Hamburg

Am 27. Februar machten wir uns – trotz streikendem Nahverkehr – pünktlich vom Fanprojekt aus auf den Weg nach Hamburg. Nachdem alle „Muttizettel“ eingesammelt und die Teilnahmebeiträge geklärt waren, starteten wir zügig in Richtung Norden. Die Anreise verlief reibungslos, sodass wir gegen 20:30 Uhr im Hotel in Hamburg einchecken konnten.

Nach dem Beziehen der Zimmer ging es gemeinsam auf die Suche nach einem Abendimbiss, um die hungrigen Mägen zu stillen. Den restlichen Abend verbrachten wir zusammen in der Hotellobby, besprachen den kommenden Tag und ließen den Abend bei Brett- und Kartenspielen entspannt ausklingen.

Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Am nächsten Morgen brachen wir nach dem Frühstück zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme auf. Unterwegs sammelten wir auf St. Pauli unseren Studientagebegleiter Bernd ein – auch in Hamburg stand der öffentliche Nahverkehr an diesem Tag still.

Nach unserer Ankunft begann der Studientag im Besucherzentrum mit einer Vorstellungsrunde und einer Einführung in den Tagesablauf. Im Anschluss besuchten wir die Dauerausstellung zum Lager. Im gemeinsamen Dialog vermittelte Bernd zentrale Informationen zur Entstehung des Lagers, zu den dort inhaftierten Menschen sowie zu deren Herkunft. Besonders eindrücklich waren die Berichte über die miserablen Lebensbedingungen: Hunger, Zwangsarbeit, katastrophale hygienische Zustände und die extrem geringen Überlebenschancen prägten den Alltag der Häftlinge.

Im weiteren Verlauf arbeiteten die Jugendlichen eigenständig an Biografien einzelner Häftlinge. Unter Leitfragen wie „Woher kam die Person?“ und „Welches Schicksal erlitt sie im Lager?“ wurden persönliche Geschichten erarbeitet und anschließend vorgestellt. Dieser Austausch führte zu intensiven Gesprächen und einem tieferen Verständnis für individuelle Lebenswege und Leidensgeschichten.

Anschließend erkundeten wir das Außengelände der Gedenkstätte. Dabei wurde deutlich, wie groß das Lager war, wie wenig Baracken für die vielen Inhaftierten zur Verfügung standen und wie die Zwangsarbeit organisiert wurde. Besonders beeindruckend war die Besichtigung der ehemaligen Ziegelbrennanlage, die ein zentrales Element der Zwangsarbeit im Lager darstellte.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit den Tätern. In einer Ausstellung beschäftigten wir uns mit den Biografien von SS-Angehörigen und Aufsehern – vor, während und nach der NS-Zeit. Dabei wurde deutlich, wie viele von ihnen nach 1945 kaum oder gar nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und sich ein neues Leben aufbauen konnten.

Zum Abschluss des Studientages thematisierten wir ein ungewöhnliches, zugleich sehr ambivalentes Thema: Sport im Konzentrationslager. Fußballspiele und Boxkämpfe fanden tatsächlich statt – allerdings unter völlig anderen Bedingungen als heute. In Gruppen erarbeiteten wir, wie solche Spiele organisiert wurden und welche Funktion sie erfüllten. Schnell wurde klar, dass diese Wettkämpfe oft der Unterhaltung der Aufseher dienten und stark von den Hierarchien im Lager geprägt waren. Dennoch konnten sie für einige Häftlinge eine kurze Ablenkung vom grausamen Alltag darstellen.

Den emotionalen Abschluss bildete der Besuch im „Haus der Stille“. Dort sind die Namen tausender dokumentierter Todesopfer auf Stoffbändern festgehalten – rund 25.000. Insgesamt wird die Zahl der Todesopfer in Neuengamme und den dazugehörigen Außenlagern auf etwa 45.000 geschätzt.

Besuch des Bundesligaspiels HSV – RBL

Nach diesem intensiven Tag kehrten wir ins Hotel zurück und ließen den Abend bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch ruhig ausklingen.

Am nächsten Morgen checkten wir aus und machten uns auf den Weg zum Hamburger Hafen, wo wir eine kurze Fährfahrt unternahmen. Danach stand noch eine gemeinsame Bowlingrunde auf dem Programm, bevor wir zum Spiel Hamburger SV gegen RB Leipzig aufbrachen.

Im Stadion trafen wir auf weitere Fans und der Spielbesuch stellte einen stimmigen Abschluss eines intensiven und ereignisreichen Wochenendes dar.

Wir danken der Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung, der Stadt Leipzig sowie einigen privaten Spendern für ihre Förderung und finanzielle Unterstützung!

Projektdokumentation gegen Antisemitismus erschienen

Anfang März ist die Broschüre „Leutzscher Juden – zu Antisemitismus und jüdischer (Un)Sichtbarkeit im Fußball“ erschienen. Die kleine Publikation bildet den Abschluss einer Veranstaltungs- und Workshopreihe, die sich mit Antisemitismus und jüdischen Lebenswirklichkeiten im Fußball auseinandersetzt und die vom Fanprojekt zusammen mit Fans der BSG Chemie im letzten Jahr organisiert und umgesetzt wurde. In den Beiträgen des Heftes – u.a. von Britt Schlehahn, Monty Ott, Ruben Gerczikow und den Herausgeber:innen – geht es daher viel um eine zeitgemäße Erinnerungskultur, um „Jüdischsein“ im Fußball und die Frage, wie man aktuellen Formen des Judenhasses auf den Rängen begegnen kann. Das Heft liegt bei uns im Fanprojekt aus und ist kostenfrei.

Fanprojekt Leipzig (Hg.): „Leutzscher Juden“ – Eine Projektdokumentation zu Antisemitismus und jüdischer (Un)Sichtbarkeit im Fußball. 64 Seiten. Gefördert vom Programm „Weltoffenes Sachsen“ sowie von der DFB-Kulturstiftung und der Amadeu-Antonio-Stiftung.      

Virtual Reality-Projekt zum Thema Depression

Zusammen mit der Robert-Enke-Stiftung und dem Universitätsklinikum Leipzig (UKL) rückt bei der BSG Chemie Leipzig auch in diesem Jahr mit einem Aktionswochenende das Thema Psychische Gesundheit in den Fokus.

Dazu ist die Robert-Enke-Stiftung am 21.03.2026, dem Vortag des Heimspiels gegen den FSV Luckenwalde, mit ihrem Virtual Reality-Projekt „IMPRESSION DEPRESSION“ im Universitätsklinikum Leipzig präsent. Bis zu 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer können mit VR-Unterstützung, Bleiweste und Kopfhörern erfahren, wie sich typische Symptome einer depressiven Erkrankung anfühlen können.

Zwei VR-Simulationen stehen bereit:

  1. als depressive Person in deren eigenen vier Wänden
  2. als an Depressionen leidender Fußballspieler in der Umkleidekabine

 

Wann: Samstag, 21.03.2026

Wo: Universitätsklinik Leipzig, Psychiatrische Klinik (Semmelweißstraße 10, Haus 13, 04103 Leipzig)

Anmeldung unter: https://tinyurl.com/depression-impression-2026

Von 9 bis 15 Uhr stehen sechs jeweils einstündige Zeitslots zur Verfügung. Pro Zeitslot sind zu bis zu zehn Anmeldungen möglich.

 

Darüber hinaus werden die Robert-Enke-Stiftung, das UKL und verschiedene Leipziger Vereine beim Heimspiel gegen Luckenwalde mit Infoständen vor Ort im AKS sein und Einblicke in das gesellschaftlich und vor allem im Leistungssport noch immer wenig beachtete Thema geben.

https://www.chemie-leipzig.de/2026/03/11/rund-ums-luckenwalde-heimspiel-gemeinsames-aktionswochenende-zu-psychischer-gesundheit/

 

Qualitätssiegel für professionelle Fanarbeit: Fanprojekt Leipzig zum 3. Mal zertifiziert

Ausgezeichnete Fanarbeit mit hohen Qualitätsstandards: Das Fanprojekt Leipzig erhielt am 8. Dezember 2025 das Qualitätssiegel der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) für professionelle Fanarbeit im Fußball. Damit hat das Team in Leipzig zum dritten Mal in Folge die Qualitätsüberprüfung, die alle drei Jahre im Rahmen des Nationalen Konzepts für Sport und Sicherheit (NKSS) fällig ist, erfolgreich abgeschlossen.

Das Qualitätssiegel wurde durch Philipp Beitzel von der KOS in der Beiratssitzung an Fanprojektleiter Dr. Christian Kohn überreicht. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz von Vicki Felthaus, der Beigeordneten für Jugend, Schule und Demokratie der Stadt Leipzig statt. Zweimal im Jahr trifft sich diese Runde. Neben Christian Kohn waren auch Vera Kalkhoff, Geschäftsleitung Jugendarbeit | Bildung | Projekte bei Outlaw und Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts und ehemaliger Geschäftsleiter bei Outlaw dabei. Vertreten ist außerdem das Jugendamts der Stadt Leipzig, das Innenministerium des Landes Sachsen, der DFB und die DFL, das Ordnungsamt, die Polizei, die unabhängige Wissenschaft und die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) sowie die Stadtratsfraktionen, um sich zum aktuellen Stand der Fanprojektarbeit in Leipzig auszutauschen.

„Ich freue mich sehr, dass nach einem wirklich schwierigen Jahr wegen einer für uns bis zum Sommer wirklich herausfordernden Finanzierungssituation unser Fanprojekt nun zum Ende des Jahres nicht nur finanziell gut dasteht, sondern wir auch – mittlerweile zum dritten Mal – bescheinigt bekommen haben, dass wir am Standort qualitativ auf sehr hohem Niveau arbeiten“, unterstreicht Christian Kohn und weist auf die schwierige finanzielle Lage aufgrund geplanter Kürzungen bei Förderungen für das Fanprojekt hin. „Umso wichtiger war das Signal, dass die Landesförderung für die Jahre 2025 und 2026 nicht gekürzt, sondern sogar erhöht wurde. Das zeigte, wie wichtig die Arbeit der Fanprojekte in Sachsen eingeordnet wird.“
Mehr dazu in unserem Blogtext.

Auch Vera Kalkhoff war als zuständige Geschäftsleitung des Arbeitsfelds bei Outlaw vor Ort in Leipzig dabei und gratulierte Fanprojektleiter Christian Kohn und seinem Team für die erneute Verleihung des Qualitätssiegels: „Das  KOS-Qualitätssiegel steht für überprüfte, fachlich fundierte Fansozialarbeit. Es verbindet externe Evaluation mit kontinuierlicher Qualitätsentwicklung und stärkt Fanprojekte als anerkannte Akteure der Jugendhilfe im Fußballumfeld.“ Im Mittelpunkt der Evaluation stehen etwa die Fachlichkeit des jeweiligen Teams, die finanzielle wie sachliche Ausstattung, die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fanszenen sowie die Belastbarkeit des Netzwerkes, das neben den Bezugsvereinen Sicherheits- und Jugendhilfeinstitutionen der Stadt miteinschließt.

„Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen hält das Team in Leipzig diese Qualität seit Jahren aufrecht und leistet professionelle, nachhaltige Arbeit! Das Fanprojekt beweist damit, dass die Fansozialarbeit in Leipzig fachlich fundiert sowie jugendhilferechtlich verankert gearbeitet wird und angemessen ausgestattet ist. Das ist so wichtig, denn die Fansozialarbeit ist akzeptierte, lebensweltorientierte präventive Jugendarbeit“, ergänzt Vera Kalkhoff.

Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“

Das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ wurde 2010 eingeführt und 2012 im NKSS verankert. Die Arbeit der Fanprojekte wird regelmäßig alle drei Jahre mit einem eigens für die 71 Standorte entwickelten Qualitätssiegelprozess durch das unabhängige Evaluierungsinstitut CEVal überprüft und ausgewertet. Im Anschluss berät die AG Qualitätssicherung, in der Vertreter:innen, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga, der Deutschen Sportjugend, der Koordinationsstelle Fanprojekte sowie der unabhängigen Wissenschaft sitzen, über die Vergabe des Siegels. Weiter Infos gibt es hier.