Das Fanprojekt Leipzig sucht ab 01.03.2026 einen Sozialpädagogen/Sozialarbeiter (m/w/d) für den Arbeitsbereich 1. FC Lokomotive Leipzig in Teilzeit (20 Wochenstunden)

Qualitätssiegel für professionelle Fanarbeit: Fanprojekt Leipzig zum 3. Mal zertifiziert

Ausgezeichnete Fanarbeit mit hohen Qualitätsstandards: Das Fanprojekt Leipzig erhielt am 8. Dezember 2025 das Qualitätssiegel der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) für professionelle Fanarbeit im Fußball. Damit hat das Team in Leipzig zum dritten Mal in Folge die Qualitätsüberprüfung, die alle drei Jahre im Rahmen des Nationalen Konzepts für Sport und Sicherheit (NKSS) fällig ist, erfolgreich abgeschlossen.

Das Qualitätssiegel wurde durch Philipp Beitzel von der KOS in der Beiratssitzung an Fanprojektleiter Dr. Christian Kohn überreicht. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz von Vicki Felthaus, der Beigeordneten für Jugend, Schule und Demokratie der Stadt Leipzig statt. Zweimal im Jahr trifft sich diese Runde. Neben Christian Kohn waren auch Vera Kalkhoff, Geschäftsleitung Jugendarbeit | Bildung | Projekte bei Outlaw und Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts und ehemaliger Geschäftsleiter bei Outlaw dabei. Vertreten ist außerdem das Jugendamts der Stadt Leipzig, das Innenministerium des Landes Sachsen, der DFB und die DFL, das Ordnungsamt, die Polizei, die unabhängige Wissenschaft und die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) sowie die Stadtratsfraktionen, um sich zum aktuellen Stand der Fanprojektarbeit in Leipzig auszutauschen.

„Ich freue mich sehr, dass nach einem wirklich schwierigen Jahr wegen einer für uns bis zum Sommer wirklich herausfordernden Finanzierungssituation unser Fanprojekt nun zum Ende des Jahres nicht nur finanziell gut dasteht, sondern wir auch – mittlerweile zum dritten Mal – bescheinigt bekommen haben, dass wir am Standort qualitativ auf sehr hohem Niveau arbeiten“, unterstreicht Christian Kohn und weist auf die schwierige finanzielle Lage aufgrund geplanter Kürzungen bei Förderungen für das Fanprojekt hin. „Umso wichtiger war das Signal, dass die Landesförderung für die Jahre 2025 und 2026 nicht gekürzt, sondern sogar erhöht wurde. Das zeigte, wie wichtig die Arbeit der Fanprojekte in Sachsen eingeordnet wird.“
Mehr dazu in unserem Blogtext.

Auch Vera Kalkhoff war als zuständige Geschäftsleitung des Arbeitsfelds bei Outlaw vor Ort in Leipzig dabei und gratulierte Fanprojektleiter Christian Kohn und seinem Team für die erneute Verleihung des Qualitätssiegels: „Das  KOS-Qualitätssiegel steht für überprüfte, fachlich fundierte Fansozialarbeit. Es verbindet externe Evaluation mit kontinuierlicher Qualitätsentwicklung und stärkt Fanprojekte als anerkannte Akteure der Jugendhilfe im Fußballumfeld.“ Im Mittelpunkt der Evaluation stehen etwa die Fachlichkeit des jeweiligen Teams, die finanzielle wie sachliche Ausstattung, die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fanszenen sowie die Belastbarkeit des Netzwerkes, das neben den Bezugsvereinen Sicherheits- und Jugendhilfeinstitutionen der Stadt miteinschließt.

„Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen hält das Team in Leipzig diese Qualität seit Jahren aufrecht und leistet professionelle, nachhaltige Arbeit! Das Fanprojekt beweist damit, dass die Fansozialarbeit in Leipzig fachlich fundiert sowie jugendhilferechtlich verankert gearbeitet wird und angemessen ausgestattet ist. Das ist so wichtig, denn die Fansozialarbeit ist akzeptierte, lebensweltorientierte präventive Jugendarbeit“, ergänzt Vera Kalkhoff.

Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“

Das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ wurde 2010 eingeführt und 2012 im NKSS verankert. Die Arbeit der Fanprojekte wird regelmäßig alle drei Jahre mit einem eigens für die 71 Standorte entwickelten Qualitätssiegelprozess durch das unabhängige Evaluierungsinstitut CEVal überprüft und ausgewertet. Im Anschluss berät die AG Qualitätssicherung, in der Vertreter:innen, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga, der Deutschen Sportjugend, der Koordinationsstelle Fanprojekte sowie der unabhängigen Wissenschaft sitzen, über die Vergabe des Siegels. Weiter Infos gibt es hier.

Auftakt der Standortbegleitung für den neuen Lernort Stadion in Chemnitz

Am 18.11.25 führten wir im Rahmen der Standortbegleitung von Lernort Stadion den ersten Meilensteinworkshop mit dem neuen Lernort „Bildung Fischerwiese – Verein(t) lernen“ in Chemnitz durch.

Wir wünschen dem Lernort in Chemnitz viel Erfolg bei der Umsetzung aller Vorhaben und freuen uns, die Kolleg*innen im kommenden Jahr dabei begleiten zu dürfen!

Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG): Die Stadien sind sicher und die Fans zeigen eine große Verantwortung!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) beobachtet die Diskussion um die Stadionsicherheit seit geraumer Zeit und sieht sich gezwungen, die aktuellen Verlautbarungen und Vorhaben einzuordnen und zu kommentieren.

Erstens: wir halten die am 18. Oktober 2024 geäußerte Grundannahme, dass die Sicherheit in den Fußballstadien nicht ausreichend gewährleistet ist, für falsch:
Die in den vergangenen drei Jahren stark steigenden Zuschauer*innenzahlen dokumentieren, dass sehr viele Menschen ohne Angst in die Stadien strömen. Auch die Zunahme bei den jüngeren Altersgruppen spricht dafür. Die von der Deutschen Fußballliga (DFL) in Auftrag gegebene Umfrage belegt ebenso, dass sich über 90% der Stadionbesucher*innen sicher fühlen. Zudem zeigen die aktuellen Polizeistatistiken (ZIS Bericht Oktober 2025), dass trotz steigender Zuschauerzahlen die Gewalttaten und Verletztenzahlen beim Fußball abnehmen und sogar weniger Polizeibeamte eingesetzt werden mussten. Folglich sind die Fußballstadien in Deutschland sicher!

Zweitens finden wir es problematisch, dass die Innenminister- und Sportministerkonferenzen das für die angesprochenen Themen zuständige Gremium (NASS), in dem sie jeweils mit Sitz und Stimme vertreten sind, umgehen und in einer Parallelstruktur (BloAG) intransparent Dinge erarbeiten, die originär im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) behandelt werden müssen. Der NASS wurde vor über 30 Jahren eingerichtet, um die Stadien sicherer und vielfältiger zu machen. Die BAG der Fanprojekte ist ein beratendes Mitglied. Die Entwicklung rund um die Fußballstadien zeigt, dass diese Arbeit auf breiter Front erfolgreich ist.

Die angedachten Maßnahmen ignorieren die Erfolge der letzten drei Jahrzehnte!

Drittens ist es fragwürdig, dass zum wiederholten Mal die Fans als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt nicht miteinbezogen wurden. Auch wenn diese seit vielen Jahren konstruktiv an den Themen (u.a. Stadionverbote, Pyrotechnik) arbeiten, wird auf deren Expertise verzichtet, obwohl deren Einbindung auf der Pressekonferenz des Sicherheitsgipfels am 18.10.2024 angekündigt wurde.

Fans sind sich ihrer Verantwortung für alle im Stadion bewusst und sie tun alles, um die nicht organisierten Zuschauer*innen mitzunehmen. Flugblätter, selbst gefertigte Spieltagshefte und Fanzines gibt es in fast jedem Stadion. Club-Fan-Dialog-Formate sind in den ersten drei Ligen Pflichtaufgabe der Vereine und werden dort, wo sie einladend gestaltet werden, gerne angenommen. Die Verbände haben ihre eigenen Dialog-Formate und arbeiten daran, diese stetig zu verbessern. Es gibt die Kommission Fans und Fankulturen im DFB, in der von den Fanorganisationen engagiert diskutiert und gestritten wird, immer darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Auch die BAG der Fanprojekte ist Teil der oben genannten Kommission und steht seit Jahrzehnten für Dialog und Erfahrungswissen.

Mit der Demonstration unter dem Motto „Der Fußball ist sicher!“ am 16.11.2025 in Leipzig, zu der innerhalb von wenigen Tagen eine fünfstellige Zahl an Teilnehmenden aus ganz Deutschland mobilisiert wurde, setzten die Fanszenen ein starkes Zeichen für ein sicheres Stadionerlebnis und ihre Fankultur und brachten ihre Anliegen für Fan- und Bürgerrechte demokratisch auf die Straße.

Wir begrüßen die Forderungen der Fans nach Versachlichung der Debatte und plädieren dafür, dass die Diskussion da geführt wird, wo sie hingehört. Automatische bundesweite Stadionverbote bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und personalisierte Eintrittskarten tragen nicht zur Verringerung der Polizeieinsatzstunden bei.

Kontakt für Rückfragen: info@bag-fanprojekte.de

Jüdische Lebenswirklichkeiten im Fußball – Ein kleiner Rückblick auf die Lesung „Juden auf dem Platz. Juden auf den Rängen“

Schon zum wiederholten Mal in diesem Jahr konnten wir mit Monty Ott und Ruben Gerczikow zwei profunde Kenner in Sachen Fankultur und jüdischer Sichtbarkeit im Fußball nach Leipzig holen. Dieses Mal präsentierten die beiden im Rahmen einer Veranstaltungsreihe vom Fanprojekt und den Chemiefans gegen Antisemitismus ihr aktuelles Buch „Juden auf dem Platz. Juden auf den Rängen“. Die Beiträge des Sammelbands erzählen von Mut, Solidarität und Ausgrenzung, etwa anhand der berührenden Aktionen für den Fußball-Fan und Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin, die über Vereinsfarben hinweg für Anteilnahme sorgten. Mit Stimmen aus Deutschland und Israel entfalten die Texte im Buch aber auch ein differenziertes Panorama jüdischer Präsenz und jüdischer Perspektiven im Fußball.

Bei der Lesung im Conne Island ging es natürlich viel um antisemitische Ressentiments rund ums Stadion, es ging um den 7. Oktober und seine Auswirkungen auf jüdische Fußballfans. Gleichsam war es den beiden Autoren aber auch wichtig, die Normalität und den Alltag  jüdischer Lebenswirklichkeiten im Fußball herauszuarbeiten. Denn trotz antisemitischem Backlash, trotz zunehmender Bedrohungslagen für Jüdinnen und Juden gab und gibt es auch andere Momentaufnahmen. Etwa, wenn vom Einzug Makkabi Berlins in den DFB-Pokal berichtet wird, von langen Schlangen am Einlass, jüdischen Fangesängen, Drängeleien am Bierstand und einem grandiosen Sieg in der Verlängerung.

Die kurzweilige Lesung und anschließende Diskussion gaben jedenfalls einen eindrucksvollen Einblick in die vielen Leerstellen, die es rund um die Wahrnehmung jüdischer Identitäten im Fußball gibt. Die Verengung auf „historische Überbleibsel“ jüdischer Sportgeschichte wurde dabei dahingehend problematisiert, dass viel zu wenig auf die Gegenwart geschaut würde. Juden im Sport, im Fußball und auf den Rängen haben auch ein „Hier“ und „Jetzt“, auf das es sich lohnt genauer zu schauen. Auf dem Platz, auf den Rängen und im Rest vom Land.

Die Veranstaltungsreihe wird am 22. November mit einem historischem Stadtteilspaziergang im Leipziger Westen fortgesetzt.

Wir danken unseren Förderern für die freundliche Unterstützung!

»Wir waren die Juddebube« Rückblick auf eine Veranstaltung über die Frankfurter Eintracht und ihre Juden

Im sehr gut gefüllten Capa-Haus ging es in der vergangenen Woche einmal mehr um erinnerungspolitische Auseinandersetzungen im Fußball – zu Gast dieses Mal: die Eintracht aus Frankfurt. Felix Börner vom Eintracht Frankfurt Museum war angereist, um den anwesenden Zuhörer:innen einen Einblick in die sporthistorische Aufarbeitungsgeschichte des Vereins und seinen Fans zu geben.

Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten galt die Eintracht als ein liberaler und kosmopolitischer Sportverein, imagebildend war vor allem das Engagement vieler jüdischer Funktionäre, Förderer und Athleten: am bekanntesten war dabei sicherlich die ehemals weltgrößten Schuhfirma J. & C.A. Schneider, nach deren Hausschuhen die Spieler der Eintracht im Volksmund auch »Schlappekicker« genannt wurden. Wie fast alle Fußballclubs kooperierte aber mit der Machtübernahme der Nazis auch der Verein recht schnell und widerstandlos mit dem neuen Regime, die arische Abstammung bestimmte auch hier die Vereinsmitgliedschaft.

Nach der Befreiung durch die Alliierten dominierten viele Jahrzehnte des Beschweigens und Verdrängens die Geschichte der Eintracht. Erst mit der Jahrtausendwende und dem Engagement einzelner Fans und Fanclubs gelang es langsam, ein »Problembewusstsein« über die nationalsozialistische Mittäterschaft von Sportlern und Funktionären zu schaffen. Ganz maßgeblich waren hierfür zwei Bücher: »Wir waren die Juddebube« von Matthias Thoma und die Studie »Vereinsführer« von Maximilian Aigner und dem Fritz Bauer-Institut. Und ganz maßgeblich war auch die Geschichte von Helmut »Sonny« Sonneberg – dem vielleicht wichtigsten Zeitzeugen der Eintracht im NS – die endlich den Raum erhalten hat, den sie verdient. »Sonny« war nie ein bedeutender Funktionsträger oder erfolgreicher Sportler für seine Eintracht, sondern »nur« ein fanatischer Anhänger, eben ein Fan. Seine Geschichte und sein Vermächtnis stehen exemplarisch für die antisemitische Ausgrenzung und Verfolgung, aber auch für die leidenschaftliche Verteidigung universeller demokratischer Werte und das Wachhalten der Erinnerung. Vielen Dank an den Referenten und an das Museum für den tiefen Einblick in die Erinnerungskultur der Eintracht – Frankfurt vergisst nicht!

 

Wir danken unseren Förderern für die freundliche Unterstützung:

Vernetzungstreffen zur historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport am 24. und 25.10.2025 in Leipzig

In Leipzig fand diesen Herbst ein zweitägiges Vernetzungstreffen zur historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport und Fußball statt. Die Veranstaltung wurde vom Fanprojekt Leipzig initiiert und gemeinsam mit der Lernkurve Leipzig, der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF) sowie der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig organisiert. Unterstützung kam außerdem von der Gedenkstätte Mittelbau-Dora und der Sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG). Die Universität Leipzig stellte die Räumlichkeiten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zur Verfügung.

Den Auftakt bildete ein historischer Rundgang der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig zu den ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagern im Umfeld der heutigen Red Bull Arena. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick in die Verflechtungen von Leipziger Stadtgeschichte, NS-Zwangsarbeit und lokaler Fußballhistorie.

Ein anschließendes Grußwort von Dr. Petra Tzschoppe, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes und langjährige Lehrende an der Universität Leipzig, betonte die Relevanz historisch-politischer Bildungsarbeit im Sport. Die darauf folgenden Fachvorträge von Dr. Veronika Springmann (Deutsches Sportmuseum Berlin), Dr. Andreas Kahrs (What Matters) und Paula Scholz (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) beleuchteten kritisch die Rolle des Sports im Nationalsozialismus sowie aktuelle Herausforderungen der Vermittlung der NS-Geschichte in außerschulischen Bildungseinrichtungen und Institutionen wie Sportvereinen, Fanprojekten und Sportverbänden. Anschließend wurden die Inhalte in einer moderierten Podiumsdiskussion vertieft und auf verschiedene Fragen der Zuhörer*innen eingegangen.

Die Workshops des zweiten Veranstaltungstages boten praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Formen historisch-politischer Bildungsarbeit im Sport. Unter der Leitung von Monika Urbich (Arolsen School) beschäftigte sich der erste Workshop mit digitalen Lernformaten im Fußballkontext. Die Teilnehmenden lernten verschiedene digitale Werkzeuge und Lernmodule kennen, die Themen wie Ausgrenzung, Zugehörigkeit und historische Verantwortung behandeln. Dabei konnten sie interaktive Tools selbst erproben und deren Einsatzmöglichkeiten in der historisch-politischen Bildungsarbeit im Sport diskutieren.

Ein weiterer Workshop, geleitet von Alexander John Bolton (Gedenkstätte Buchenwald), widmete sich der Erinnerungsarbeit in Social Media. Anhand konkreter Beispiele – darunter Instagram-Reels, Kurzformate und unterschiedliche Formen digitalen Storytellings – wurde gezeigt, wie erinnerungskulturelle Inhalte zeitgemäß aufbereitet und vermittelt werden können. Die Gruppe reflektierte sowohl die Potenziale als auch die Grenzen digitaler Plattformen für die pädagogische Arbeit.

Der dritte Workshop wurde von Dr. Veronika Springmann (Deutsches Sportmuseum Berlin) und Dr. Andreas Kahrs (What Matters) durchgeführt und thematisierte Sport in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Ausgehend von historischen Quellen und Biografien erarbeitete die Gruppe die unterschiedlichen Funktionen, die Sport im KZ-System erfüllte. Zudem wurden aktuelle Bildungsmaterialien vorgestellt und methodische Zugänge diskutiert, die eine verantwortungsbewusste Vermittlung dieses sensiblen historischen Themenfeldes ermöglichen.

Die Workshops boten viel Raum für einen intensiven Austausch über methodische Fragen, digitale Innovationen und eine verantwortungsvolle Vermittlung der nationalsozialistischen Geschichte im Sport.

Im Rahmen der darauffolgenden Projektmesse stellten Teilnehmende und Gäste ihre Projekte und Initiativen vor. Die Messe diente als Plattform für Vernetzung, gegenseitige Beratung und erste Kooperationsansätze über regionale Grenzen hinweg.

Zum Abschluss des Tages kamen alle Teilnehmenden erneut zusammen, um in gemeinsamen Tischgesprächen über verschiedene Fragestellungen zu diskutieren. Dieser abschließende Austausch bot die Gelegenheit, die Inhalte der beiden Veranstaltungstage gemeinsam zu reflektieren, neu gewonnene Impulse im eigenen Denken zu verankern und erste Ansätze für zukünftige Projekte und Ideen weiterzuentwickeln.

Die Veranstaltung verdeutlichte die zentrale Rolle des Fußballs und Breitensports bei der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte, gesellschaftlicher Verantwortung und moderner Bildungsarbeit. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit von Fanprojekten, Vereinen, Gedenkstätten, Hochschulen und zivilgesellschaftlichen Initiativen entstand ein fachlicher Dialog, der langfristig zur Weiterentwicklung historisch-politischer Bildung im Sport beitragen wird.

Besonderer Dank gilt den Fördermittelgeber*innen DSJ – Deutsche Sportjugend, gefördert vom Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, sowie PFiFF – Deutsche Fußball Liga, deren finanzielle Unterstützung die Durchführung dieser Veranstaltung erst möglich machte.

Workshops beim 12. Festival „Politik im Freien Theater“

Vergangene Woche fand in Leipzig das 12. Festival Politik im Freien Theater zum Thema „Grenzen“ statt. In diesem Rahmen waren wir mit 3 Workshops im Bruno-Plache-Stadion beim 1. FC Lokomotive Leipzig zu Gast.

Im Workshop „FairPlay oder Foulspiel“ setzten sich Jugendliche aus Bad Lausick mit Hintergründen und Erscheinungsformen von Hass im Netz sowie Folgen für Betroffene auseinander und erprobten Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen.

In zwei Workshops „Abseits ist, wenn der Staat pfeift?! DDR und Fußball“ beschäftigten sich Jugendliche aus Zwenkau mit der Bedeutung des Sports in der DDR, der engen Verknüpfung von Sport und Politik sowie deren individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Natürlich kam auch das Fußballspielen nicht zu kurz.

Ein herzlicher Dank geht raus an alle Teilnehmenden, den 1. FC Lokomotive Leipzig, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die anderen Festivalveranstaltenden. Wir freuen uns sehr, dass wir ein Teil des Festivals sein durften.

Das Festival „Politik im Freien Theater“ ist eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit LOFFT – DAS THEATER, Schaubühne Lindenfels, Schauspiel Leipzig, Theater der Jungen Welt und Westflügel Leipzig.

Es wurde gefördert durch die Stadt Leipzig. Die Förderung wurde ermöglicht durch den Beschluss des Leipziger Stadtrats zur Vorlage VII-DS-06803 „12. Festival ,Politik im Freien Theater‘ 2025 in Leipzig“ und durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Diese Maßnahme wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit jetzt!

Heute startet die Verhandlung gegen drei Mitarbeiter:innen vom Fanprojekt Karlsruhe. Unsere Kolleg:innen stehen vor dem Landgericht, weil sie sich geweigert haben gegen Fans, mit denen sie sozialpädagogisch arbeiten, auszusagen. Wir dokumentieren hier anlässlich des Berufsprozesses die Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte:

PM: Berufungsverhandlungen im Fall des Fanprojekts Karlsruhe – BAG der Fanprojekte zeigt sich solidarisch

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) begleitet mit großer Aufmerksamkeit die bevorstehenden Berufungsverhandlungen im Fall des Fanprojekts Karlsruhe. Als bundesweiter Zusammenschluss von über 70 sozialpädagogischen Fanprojekten sehen wir mit Sorge auf die rechtliche und politische Auseinandersetzung, die erhebliche Auswirkungen auf die professionelle Fanarbeit in Deutschland haben kann.

Das Fanprojekt Karlsruhe leistet seit Jahren engagierte, qualifizierte und unverzichtbare Arbeit an der Schnittstelle zwischen Fußball, Fanszene und Gesellschaft. Ziel ist dabei stets die Förderung von sozialer Integration, Partizipation und Gewaltprävention im Umfeld des Fußballs. Diese Arbeit stützt sich auf die Grundsätze des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) und des Sozialgesetzbuch VIII (SGB). Sie wird von allen relevanten Partnern im Fußball getragen.

Die Berufungsverhandlungen betreffen nicht nur das Fanprojekt in Karlsruhe, sondern stellen auch ein wichtiges Signal für die Zukunft sozialpädagogischer Fanarbeit insgesamt dar. Dass dem so ist, zeigen auch die zahlreichen Solidaritätsbekundungen der Fanszenen in den Stadien an den letzten Spieltagen.

Die BAG der Fanprojekte betont daher:

  • Fanprojekte sind ein Bestandteil der Sozialen Arbeit und genießen bundesweite Anerkennung.
  • ⁠Die Arbeit der Fanprojekte ist unabhängig, kritisch-parteilich an den Interessen junger Menschen orientiert und für ein gelingendes Miteinander im Fußball unverzichtbar.
  • ⁠Rechtliche und politische Auseinandersetzungen dürfen nicht auf dem Rücken der jungen Menschen und der professionellen Arbeit ausgetragen werden.

Antje Hagel, Sprecherin der BAG, sagt dazu: “Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit unseren Kolleg*innen, Sophia, Volker und Stan und fordern alle Beteiligten auf, die besondere Bedeutung der Fansozialarbeit zu berücksichtigen.“

https://www.bag-fanprojekte.de/2025/10/13/pm-berufungsverhandlungen-im-fall-des-fanprojekts-karlsruhe-bag-der-fanprojekte-zeigt-sich-solidarisch/

Das Fanprojekt kann weitermachen

Die Arbeit des Leipziger Fanprojektes geht weit über Fußball hinaus. Sozialpädagog:innen begleiten Jugendliche und junge Erwachsene, die zu den Fanszenen von Lok, Chemie und RasenBallsport Leipzig gehören. Sie vermitteln in Konfliktsituationen am Spieltag, helfen bei großen und kleinen Problemen, leisten wichtige Bildungs- und Demokratiearbeit, schaffen sichere Räume in denen jugendliche Fußball-Fans Selbstwirksamkeit erleben und sind Übersetzer:innen der Anliegen von Fans in das Fußball-Netzwerk. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen ist diese Arbeit unverzichtbar: Sie sorgt für Austausch statt Abgrenzung, für Perspektiven statt Ausgrenzung – und sie stärkt das Miteinander in der Stadt.

Noch im Frühjahr schien die finanzielle Lage für das Leipziger Fanprojekt extrem schwierig. Jetzt gibt es Grund zur Freude: Dank Spenden, politischer Unterstützung und neuer Förderentscheidungen auf Landes- und Bundesebene konnte die angespannte Situation nicht nur stabilisiert, sondern auch verbessert werden. „Nach Monaten voller Unsicherheit ist es ein riesiger Erfolg, dass wir unsere Arbeit nicht nur fortsetzen, sondern auch weiterentwickeln können“, sagt Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts Leipzig bei Outlaw.

Im Mai 2025 machte Outlaw öffentlich, wie ernst die Lage für das Fanprojekt Leipzig geworden war. Weder die städtische noch die landesweite Förderung deckten den tatsächlichen Bedarf, und zusätzlich erschwerte die Deckelung der Fußballförderung im Haushalt unsere Arbeit deutlich. Die Konsequenz: Selbst ein Fortbestehen des Projekts in seiner bisherigen Form konnte nicht mehr gesichert werden. Für die sozialpädagogische Begleitung der Fanszenen war das eine unhaltbare Situation. „Allein der Gedanke, dass wir Angebote einstellen oder sogar schließen müssten, hat viele Jugendliche und junge Erwachsene in den Fanszenen beunruhigt“, erinnert sich Projektleiter Dr. Christian Kohn.

Über den Sommer hinweg hat sich das Blatt gewendet. Schon die Spendenkampagne brachte in kürzester Zeit mehr als 5.000 Euro zusammen – ein klares Zeichen, wie wichtig das Projekt für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist. Fans, Unterstützer:innen und Netzwerkpartner:innen machten deutlich: Diese Arbeit darf nicht auf Eis gelegt werden. Parallel dazu fanden auf Landesebene zahlreiche Gespräche zwischen den sächsischen Fanprojekten, ihren Trägern und den demokratischen Fraktionen im Landtag statt. Mit Erfolg: Die geplanten Kürzungen der sächsischen Fanprojekt-Förderrichtlinie wurden aufgehoben. Stattdessen wurde die Landesförderung für die Jahre 2025 und 2026 erhöht. „Das war für uns ein entscheidendes Signal“, betont Steffen Kröner, Berater des Fanprojekts Leipzig: „Damit steht fest: Die Arbeit der Fanprojekte in Sachsen wird als bedeutend und unverzichtbar anerkannt.“

Auch auf Bundesebene gab es entscheidende Veränderungen. DFB und DFL haben nicht nur ihre Fördersummen erhöht, sondern auch ein lang angestrebtes Anliegen umgesetzt: Die bisher gemeinsame Förderung für Lok und Chemie wurde aufgeteilt. Damit steht dem Leipziger Fanprojekt nun mehr Geld als bislang zur Verfügung. Das bedeutet Planungssicherheit und die Möglichkeit, die Besonderheiten der Fanszenen besser zu begleiten. Ab 2026 können wir personell aufstocken und dringend benötigte Strukturverbesserungen umsetzen.

„Unser Dank gilt allen Spender:innen, Fans, politischen Partner:innen und Unterstützer:innen im Netzwerk. Ohne euch wäre diese positive Wendung nicht möglich gewesen“, sagt Christian Kohn.

Auch wir als Träger möchten uns herzlich bedanken – bei allen, die gespendet haben, bei der Politik, die Verantwortung übernommen hat, und bei DFB und DFL, die eine Lösung gefunden haben.