Jugendfahrt nach Hamburg

Am 27. Februar machten wir uns – trotz streikendem Nahverkehr – pünktlich vom Fanprojekt aus auf den Weg nach Hamburg. Nachdem alle „Muttizettel“ eingesammelt und die Teilnahmebeiträge geklärt waren, starteten wir zügig in Richtung Norden. Die Anreise verlief reibungslos, sodass wir gegen 20:30 Uhr im Hotel in Hamburg einchecken konnten.

Nach dem Beziehen der Zimmer ging es gemeinsam auf die Suche nach einem Abendimbiss, um die hungrigen Mägen zu stillen. Den restlichen Abend verbrachten wir zusammen in der Hotellobby, besprachen den kommenden Tag und ließen den Abend bei Brett- und Kartenspielen entspannt ausklingen.

Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Am nächsten Morgen brachen wir nach dem Frühstück zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme auf. Unterwegs sammelten wir auf St. Pauli unseren Studientagebegleiter Bernd ein – auch in Hamburg stand der öffentliche Nahverkehr an diesem Tag still.

Nach unserer Ankunft begann der Studientag im Besucherzentrum mit einer Vorstellungsrunde und einer Einführung in den Tagesablauf. Im Anschluss besuchten wir die Dauerausstellung zum Lager. Im gemeinsamen Dialog vermittelte Bernd zentrale Informationen zur Entstehung des Lagers, zu den dort inhaftierten Menschen sowie zu deren Herkunft. Besonders eindrücklich waren die Berichte über die miserablen Lebensbedingungen: Hunger, Zwangsarbeit, katastrophale hygienische Zustände und die extrem geringen Überlebenschancen prägten den Alltag der Häftlinge.

Im weiteren Verlauf arbeiteten die Jugendlichen eigenständig an Biografien einzelner Häftlinge. Unter Leitfragen wie „Woher kam die Person?“ und „Welches Schicksal erlitt sie im Lager?“ wurden persönliche Geschichten erarbeitet und anschließend vorgestellt. Dieser Austausch führte zu intensiven Gesprächen und einem tieferen Verständnis für individuelle Lebenswege und Leidensgeschichten.

Anschließend erkundeten wir das Außengelände der Gedenkstätte. Dabei wurde deutlich, wie groß das Lager war, wie wenig Baracken für die vielen Inhaftierten zur Verfügung standen und wie die Zwangsarbeit organisiert wurde. Besonders beeindruckend war die Besichtigung der ehemaligen Ziegelbrennanlage, die ein zentrales Element der Zwangsarbeit im Lager darstellte.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit den Tätern. In einer Ausstellung beschäftigten wir uns mit den Biografien von SS-Angehörigen und Aufsehern – vor, während und nach der NS-Zeit. Dabei wurde deutlich, wie viele von ihnen nach 1945 kaum oder gar nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und sich ein neues Leben aufbauen konnten.

Zum Abschluss des Studientages thematisierten wir ein ungewöhnliches, zugleich sehr ambivalentes Thema: Sport im Konzentrationslager. Fußballspiele und Boxkämpfe fanden tatsächlich statt – allerdings unter völlig anderen Bedingungen als heute. In Gruppen erarbeiteten wir, wie solche Spiele organisiert wurden und welche Funktion sie erfüllten. Schnell wurde klar, dass diese Wettkämpfe oft der Unterhaltung der Aufseher dienten und stark von den Hierarchien im Lager geprägt waren. Dennoch konnten sie für einige Häftlinge eine kurze Ablenkung vom grausamen Alltag darstellen.

Den emotionalen Abschluss bildete der Besuch im „Haus der Stille“. Dort sind die Namen tausender dokumentierter Todesopfer auf Stoffbändern festgehalten – rund 25.000. Insgesamt wird die Zahl der Todesopfer in Neuengamme und den dazugehörigen Außenlagern auf etwa 45.000 geschätzt.

Besuch des Bundesligaspiels HSV – RBL

Nach diesem intensiven Tag kehrten wir ins Hotel zurück und ließen den Abend bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch ruhig ausklingen.

Am nächsten Morgen checkten wir aus und machten uns auf den Weg zum Hamburger Hafen, wo wir eine kurze Fährfahrt unternahmen. Danach stand noch eine gemeinsame Bowlingrunde auf dem Programm, bevor wir zum Spiel Hamburger SV gegen RB Leipzig aufbrachen.

Im Stadion trafen wir auf weitere Fans und der Spielbesuch stellte einen stimmigen Abschluss eines intensiven und ereignisreichen Wochenendes dar.

Wir danken der Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung, sowie einigen privaten Spendern für ihre finanzielle Unterstützung!