Schon zum wiederholten Mal in diesem Jahr konnten wir mit Monty Ott und Ruben Gerczikow zwei profunde Kenner in Sachen Fankultur und jüdischer Sichtbarkeit im Fußball nach Leipzig holen. Dieses Mal präsentierten die beiden im Rahmen einer Veranstaltungsreihe vom Fanprojekt und den Chemiefans gegen Antisemitismus ihr aktuelles Buch „Juden auf dem Platz. Juden auf den Rängen“. Die Beiträge des Sammelbands erzählen von Mut, Solidarität und Ausgrenzung, etwa anhand der berührenden Aktionen für den Fußball-Fan und Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin, die über Vereinsfarben hinweg für Anteilnahme sorgten. Mit Stimmen aus Deutschland und Israel entfalten die Texte im Buch aber auch ein differenziertes Panorama jüdischer Präsenz und jüdischer Perspektiven im Fußball.
Bei der Lesung im Conne Island ging es natürlich viel um antisemitische Ressentiments rund ums Stadion, es ging um den 7. Oktober und seine Auswirkungen auf jüdische Fußballfans. Gleichsam war es den beiden Autoren aber auch wichtig, die Normalität und den Alltag jüdischer Lebenswirklichkeiten im Fußball herauszuarbeiten. Denn trotz antisemitischem Backlash, trotz zunehmender Bedrohungslagen für Jüdinnen und Juden gab und gibt es auch andere Momentaufnahmen. Etwa, wenn vom Einzug Makkabi Berlins in den DFB-Pokal berichtet wird, von langen Schlangen am Einlass, jüdischen Fangesängen, Drängeleien am Bierstand und einem grandiosen Sieg in der Verlängerung.
Die kurzweilige Lesung und anschließende Diskussion gaben jedenfalls einen eindrucksvollen Einblick in die vielen Leerstellen, die es rund um die Wahrnehmung jüdischer Identitäten im Fußball gibt. Die Verengung auf „historische Überbleibsel“ jüdischer Sportgeschichte wurde dabei dahingehend problematisiert, dass viel zu wenig auf die Gegenwart geschaut würde. Juden im Sport, im Fußball und auf den Rängen haben auch ein „Hier“ und „Jetzt“, auf das es sich lohnt genauer zu schauen. Auf dem Platz, auf den Rängen und im Rest vom Land.
Die Veranstaltungsreihe wird am 22. November mit einem historischem Stadtteilspaziergang im Leipziger Westen fortgesetzt.
Wir danken unseren Förderern für die freundliche Unterstützung!




