Sozialpädagog*in / Sozialarbeiter*in (m/w/d) in Teilzeit (25 Std./Woche) gesucht!

Für den Arbeitsbereich BSG (Betriebssportgemeinschaft) Chemie Leipzig sucht das Fanprojekt zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Teilzeit (25Std./Woche) eineN Sozialpädagog*in/Sozialarbeiter*in (m/w/d)

Kennziffer 5252621


Das Fanprojekt Leipzig begleitet seit 14 Jahren junge Fußballfans der Vereine RasenBallsport Leipzig, 1. FC Lokomotive Leipzig und BSG Chemie Leipzig innerhalb und außerhalb ihrer Lebenswelt. Gemeinsam mit den Fans möchten wir eine kreative und positive Fankultur auf- und ausbauen und die Lebensbedingungen von jungen Menschen verbessern.


Deine Aufgaben:

  • Du kümmerst dich im Rahmen unserer offenen Jugendarbeit um die Entwicklung und Durchführung regelmäßiger Angebote in den von uns bereitgestellten Fanräumen für die Fans der BSG Chemie Leipzig

  • Du begleitest im Rahmen unserer aufsuchenden Jugendarbeit ausgewählte Heim- und Auswärtsspiele der BSG Chemie Leipzig

  • Du hilfst bei der Organisation und Durchführung von Bildungsreisen im In- und Ausland

  • Du berätst jugendliche Fußballfans der BSG Chemie Leipzig zu unterschiedlichen Anliegen und Problemlagen

  • Du bringst dich aktiv in das Fußball-, Fanprojekte- und Jugendhilfe-Netzwerk auf regionaler und bundesweiter Ebene ein

  • Du arbeitest an der konzeptionellen Weiterentwicklung der Angebote des Fanprojektes mit


Dein Profil:

  • Abschluss als staatl. anerkannte:r Sozialpädagoge / Sozialpädagogin, Sozialarbeiter / Sozialarbeiterin, eine vergleichbare geistes-, sozialwissenschaftliche oder pädagogische Qualifikation/Ausbildung oder du möchtest berufsbegleitend Soziale Arbeit an einer Dualen Hochschule studieren

  • Du bist interessiert an Fußball-Fankultur

  • Du bist empathisch im Umgang mit Jugendlichen und besitzt diplomatisches Geschick in der Kommunikation mit Erwachseneninstitutionen

  • Du arbeitest selbstständig und verbindlich, bist aber auch teamfähig

  • Du bist sicher im Umgang mit MS-Office Programmen

  • Du bist zeitlich flexibel und in Besitz eines gültigen Führerscheins der Klasse B


Darauf kannst du dich freuen:

  • einen unbefristeten Arbeitsvertrag

  • Vergütung orientiert am branchenüblichen Gehalt, z. B. TVöD

  • betriebliche Altersvorsorge (arbeitgeberfinanziert)

  • 30 Tage Urlaub + 2 Regenerationstage + Heiligabend und Silvester als zusätzliche freie Tage

  • Mitgestaltungsmöglichkeiten und flache Hierarchien

  • professionelles Einarbeitungskonzept einschließlich wohnortnaher Willkommensveranstaltung

  • Teamtage, pädagogische Tage, Supervisionen

  • Entwicklungsmöglichkeiten durch interne und externe Weiterbildungsangebote

  • Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements

  • Zeitwertkonten (Möglichkeit einer Auszeit oder früheren Rente)

  • BusinessBike Fahrradleasing

  • Prämienprogramm „Mitarbeiter:innen werben Mitarbeiter:innen“ (600 EUR)

  • vergünstigte Angebote bei zahlreichen Shoppingportalen (corporate benefits)

  • Vergünstigungen durch eine Kooperation mit der LVB zum LVB-Jobticket


Interessiert? 
Möchtest du Teil unseres Teams werden? Dann freuen wir uns auf deine Bewerbung über das Online-Formular auf unserem Karriereportal (www.outlaw-ggmbh.de) oder schriftlich – unter Angabe der Kennziffer.

Du hast vorab noch Fragen?
Melde dich gerne bei bewerbung@outlaw-ggmbh.de

Bitte achte darauf, dass wir bis zur Einstellung einen Nachweis deines vollständigen Masern-Schutzes benötigen.

Outlaw gGmbH
Christian Kohn
Käthe-Kollwitz-Straße 54
04109 Leipzig

Neue Bücher zum Thema Antisemitismus im Fußball in unserer Bibliothek

Unsere Bibliothek hat ab sofort eine neue Ecke zum Thema Antisemitismus und Fußball. Vor dem Hintergrund des weltweit zunehmenden Judenhasses, antisemitischer Demonstrationen und Boykottaufrufe ist es uns wichtig, über die Funktionsweisen und Formen des Ressentiments gegenüber Jüdinnen und Juden zu informieren. Auch in den Fußballstadien ist das lange totgeglaubte Vorurteil wieder zunehmend sichtbar.

In der erinnerungspolitischen Bildungsarbeit und mit Gedenkstätteninitiativen haben Vereine und Fans seit vielen Jahren die Erforschung von Antisemitismus im Sport vorangetrieben und immer wieder darauf verwiesen, dass „Nie wieder!“ keine hohle Phrase sein darf. Fußballstadien sind also durchaus eine Art Indikator, wenn es um gesellschaftliche Verwerfungen und Problemlagen geht.

Für alle, die sich intensiver mit dem Themenfeld beschäftigen wollen oder Fragen zu den komplexen gesellschaftlichen Problemlagen haben, finden sich ab sofort Klassiker der Antisemitismustheorie, Bücher über die nationalsozialistische Vergangenheit von Fußballclubs und Neuerscheinungen zum modernen Antisemitismus nach dem 7. Oktober. Kommt also gerne vorbei!

Die Anschaffungen für unsere Bibliothek erfolgten im Rahmen des Projekts „Das Schweigen der Fankurven“ mit freundlicher Unterstützung der DFB-Kulturstiftung, der Amadeu Antonio Stiftung und des sächsischen Förderprogramms Weltoffenes Sachsen.

„Für unsere Arbeit eigentlich unverzichtbar…“ Fachtag zum fehlenden Zeugnisverweigerunsgrecht in der (aufsuchenden) Sozialen Arbeit

Der Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V. hat als Dach- und Fachverband für die Arbeitsfelder Mobile Jugendarbeit und Streetwork in Sachsen zusammen mit dem Fanprojekt Leipzig Ende August einen Fachtag zum Zeugnisverweigerungsrecht auf die Beine gestellt. Im Soziokulturellen Zentrum Conne Island trafen sich knapp 40 Sozialpädagog:innen, Leitungen und Trägerverteter:innen, um vor allem den alltagspraktischen Umgang rund um die fehlende rechtlich Absicherung innerhalb einiger Felder der Sozialen Arbeit zu diskutieren.

Für nicht wenige sozialpädagogische Fachkräfte der aufsuchenden Arbeit und ihre Träger gehört es mittlerweile fast zur Normalität, mit Vorladungen von Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichten umgehen zu müssen. Die Grundlage der sozialpädagogischen Alltagsarbeit – das belastbare Vertrauensverhältnis und die Beziehungsarbeit mit der Zielgruppe – wird durch diese Praxis extrem gefährdet. Nicht selten zerstören die derzeitige Rechtsgrundlage und die daraus resultierenden Folgen jahrelang aufgebaute Beziehungsverhältnisse mit Klient:innen.

Georg Grohmann vom LAK leitete mit einer fokussierten juristischen und berufsethischen Problemanalyse in den Fachtag ein und skizzierte anschließend die unterschiedlichen Dilemmata, in denen die Akteur:innen der Sozialen Arbeit stecken. Allzu oft sind die komplexen und diffizilen Arbeitsaufträge an die Streetworker:innen einfach nicht in Einklang zu bringen mit den oft engen juristischen Rahmenbedingungen der Strafverfolgungsbehörden. In welche Problemsituationen man gerät, wenn Staatsanwaltschaft und Polizei die Sozialen Arbeit im Strafverfahren nutzen wollen, beschrieb in Anschluss Sophia Gerschel aus Karlsruhe. Die ehemalige Mitarbeiterin des ansässigen Fanprojektes sollte mit ihren beiden Kollegen als Zeugin in einem Ermittlungsverfahren aussagen. Als sie dies insbesondere mit dem Verweis auf ihre Arbeitsgrundlage, das Berufsgeheimnis und die berufliche Schweigepflicht ablehnte, geriet sie selbst in die Mühlen der Justiz. In ihrem eindrucksvollen Vortrag beschrieb sie die zermürbenden Auseinandersetzungen mit den Exekutivorganen, die juristischen Leerstellen und die persönlichen Schwierigkeiten, die der Fall mit sich gebracht hat. Umso wichtiger war der anschließende praktische Austausch: in Fallbeispielen, diskutierten die Teilnehmenden den praktischen Umgang mit der fehlenden rechtlichen Absicherung aus verschiedenen Blickwinkeln und in den diversen Arbeitsfeldern der aufsuchenden Arbeit und suchten nach bestmöglichen Auflösungen.

Deutlich wurde beim Fachtag vor allem eines: Vor dem Hintergrund der Spezialisierung und Weiterentwicklung von aufsuchender Sozialer Arbeit und der Präzisierung und Umfänglichkeit des gesetzlichen Arbeitsauftrages in den letzten Jahrzehnten, ist anzunehmen, dass ein fehlendes Zeugnisverweigerungsrecht früher oder später ein potentielles Strafbarkeitsrisiko für die jeweiligen Sozialarbeiter:nnen mit sich bringt. Der Fachtag hat versucht, für dieses Risiko ein Bewusstsein zu schaffen und nach Ursachen und Auswegen aus dieser Situation gesucht. Einfache Paradelösungen sind schwer, es kommt immer auf den Einzelfall an. Dass dabei alle Akteur:innen an einem Strang ziehen müssen – die Fachkräfte selbst, aber auch Team-Leitungen, Trägervertreter:innen, Justiziare und Dachverbände – war eine wichtige Essenz des Zusammentreffens.

Sport, Geschichte und Verantwortung – Einladung zum Vernetzungstreffen historisch-politische Bildungsarbeit im Sport

Liebe Kolleg*innen, Sportbegeisterte, Interessierte,
hiermit laden wir Euch herzlich zum 4. Vernetzungstreffen historisch-politische Bildungsarbeit im Sport ein, welches in diesem Jahr erstmals in Ostdeutschland stattfinden wird.

Mit einem Programm aus theoretischen Impulsen, praxisorientierten Workshops und viel Raum für Austausch und Vernetzung möchten wir die Gelegenheit für Wissenstransfers und das Knüpfen langfristiger, bereichernder Verbindungen innerhalb der Sportgemeinschaft schaffen. Eingeladen sind alle, die an der Verknüpfung von Sport und Politik interessiert sind, insbesondere Fußballfans, Ehrenamtliche aus dem Sport sowie Vertreter*innen von Verbänden und Vereinen. Da es am Samstag eine Art „Messe“ zur Vorstellung von gelingenden Projekten geben wird, laden wir Euch auch dazu ein, Informationsmaterialien mitzubringen. Für Menschen, die Reise- und Übernachtungskosten nicht über die Arbeit abrechnen können, gibt es die Möglichkeit eines Zuschusses. Die Veranstaltung selbst ist kostenfrei.

Wir bitten um Anmeldung zur Veranstaltung über folgenden Link.

Dort findet ihr auch Informationen zur Übernachtungsmöglichkeit und könnt euch bereits für einen Workshop anmelden.

Die Hotelbuchung über den Link (Anmeldungsformular) ist nur bis zum 28.09.2025 möglich, danach müssen Hotelzimmer selbstständig gebucht werden. Die Anmeldung zur Teilnahme an der Veranstaltung ist bis zum 23.10.2025 möglich.

 

Fragen und Hilfe zur Anmeldung unter:

fanprojekt.leipzig[at]outlaw-ggmbh.de

oder telefonisch:

0341 24775006

 

Im Folgenden findet Ihr eine Übersicht über Programm und Workshop – Angebot:

Veranstaltungsort
Universität Leipzig
Erziehungswissenschaftliche Fakultät – Haus 3
Marschner Straße 31
04109 Leipzig

 

Programmübersicht

Freitag, 24.10.2025

ab 13:00 Uhr: Ankommen (Snack)
14:00 Uhr: lockerer Stadtteil-Rundgang mit der Gedenkstätte für Zwangsarbeit im Leipziger
Westen (optional)
15:30 Uhr: Pause (Kaffee/Kuchen)
16:00 Uhr: Begrüßung und offizieller Beginn
16:30 Uhr: Impulsvorträge und Podium zu Funktionen von Sport in der NS-Diktatur
Referent*innen: Veronika Springmann (Sportmuseum Berlin), Andreas Kahrs (What Matters), Paula
Scholz (KZ-Gedenkstätte Neuengamme)
18:30 Uhr: gemeinsames Abendessen (auf Selbstzahlbasis)

Samstag, 25.10.2025

10:00 Uhr: parallele Workshops
13:00 Uhr: Pause (Mittagessen)
14:00 Uhr: „Messe“ für Projektpräsentation und Vernetzung
15:00 Uhr: gemeinsamer Abschluss mit Tischgesprächen
16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung

 

Workshop-Angebot

Workshop 1: Fußball als Lernraum – digitale Zugänge zu Geschichte und Gegenwart
Referent*in: Arolsen School
Inhalte:
In unserem digitalen Lernmodul nehmen wir junge Menschen mit auf eine virtuelle Reise über die Oberfläche eines Fußballs – und stellen dabei eine zentrale Frage: Wer darf eigentlich mitspielen? Anhand der Schwerpunkte Vereinsleben, Nationalismus und Fankultur thematisieren wir Zugehörigkeit und Ausgrenzung im Fußball – aus historischer und gegenwartsbezogener Perspektive. Im Fokus stehen Biografien von Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dabei fragen wir auch: Welche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus lassen sich über das gesellschaftliche Großphänomen Fußball bis heute erkennen? Das Modul verknüpft die Lebenswelt junger Menschen mit historischem Wissen und lädt zur kritischen Auseinandersetzung und Selbstreflexion ein. Im Workshop stellen wir auch Funktionen der digitalen Bildungsplattform vor mit einem Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von digitalen Tools und analogen Lernräumen. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, wie das Modul in der außerschulischen Bildungsarbeit – etwa in Fanprojekten, Jugendzentren oder Vereinen – zielgruppengerecht und praxisnah eingesetzt werden kann.

Workshop 2: Erinnerungsarbeit und Social Media
Referent: Alexander John Bolton (Gedenkstätte Buchenwald)
Inhalte:
Der Workshop beschäftigt sich mit der Verbindung von historisch-politischer Bildungsarbeit mit Social Media – Plattformen wie Instagram und zeigt dabei Möglichkeiten der digitalen Erinnerungsarbeit auf – zum Beispiel die Produktion von niedrigschwelligen Instagram-Reels für Gedenkstätten. Dabei geht es auch um die gesellschaftliche Relevanz der Sozialen Medien – gerade im Kontext von Sport, Fankultur und zivilgesellschaftlichem Engagement.

Workshop 3: Vorstellung der Bildungsmaterialien „Sport in nationalsozialistischen
Konzentrationslagern“
Referent*innen: Veronika Springmann (Sportmuseum Berlin), Andreas Kahrs (What Matters)
Inhalte:
Sport hat viele Aspekte. Sport kann Vergnügen sein, aber auch Qual. Die Bildungsmaterialien „Sport in nationalsozialistischen Konzentrationslagern“ geben die Möglichkeit sich mit diesen Phänomen im Konzentrationslager zu beschäftigen. Sie zeigen darüber hinaus einen Weg auf, wie Sport zu einem Ausgangspunkt werden kann, um etwas über die Geschichte des Nationalsozialismus und der nationalsozialistischen Konzentrationslager zu erfahren.

 

Wir freuen uns auf ein bereicherndes Vernetzungstreffen mit Euch!

 

Diese Veranstaltung wird organisiert von:

Fanprojekt Leipzig | Lernkurve Leipzig | IVF Leipzig | Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig | Gedenkstätte Mittelbau-Dora | Universität Leipzig – Sportwissenschaftliche und Erziehungswissenschaftliche Fakultät | sLAG – Sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Außerdem wird sie gefördert durch:

DSJ – Deutsche Sportjugend gefördert vom BMI aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und PFiFF – Deutsche Fußball Liga 

Anmeldeformular

„Erinnert euch!“ – Chemiefans in Auschwitz und Krakau

Die Erinnerung an die Shoah wach zu halten und Antisemitismus in seinen historischen und tagesaktuellen Formen zu verstehen und zu problematisieren –  das ist ein wichtiges Ziel politisch-historischer Bildungsarbeit.  Anfang August waren wir deshalb mit 13 jugendlichen Fans der BSG Chemie Leipzig auf einer erinnerungspolitischen Gedenkstättenfahrt in Polen. In Kooperation mit der Internationen Jugendbildungsstätte Oswiecim und dem Galicia Jewish Museum in Krakau haben wir ein umfangreiches und dichtes Programm zusammengestellt. Drei Tage lang haben wir uns intensiv mit dem Ort auseinandergesetzt, der weltweit am meisten für die Vernichtung der europäischen Juden im Nationalsozialismus steht: in Workshops, mit individuellen Führungen durch das Stammlager und durch Birkenau, mit Reflexion und vielen intensiven Gesprächen. Die Jugendbildungsstätte Oswiecim war dafür ein geeigneter Ort mit super- kompetenten Menschen, die uns sehr einfühlsam und eindrücklich rund um das schwere Thema begleitet haben.

Anschließend ging es noch zweieinhalb Tage nach Krakau um das einstige und auch das heutige jüdische Leben der Stadt kennenzulernen. Die historischen Führungen durch Kazimierz und Podgorze – hier befand sich seit 1941 das ehemalige jüdische Ghetto – waren mehr als beeindruckend. Und auch die Besuche des Jüdischen Museums und weiterer Gedenkorte an die nationalsozialistischen Verbrechen in Krakau und Umgebung haben viel zum Verständnis beigetragen und deutlich gemacht, wie wichtig authentische Erinnerungsorte und Zeitzeug:innenschaft auch im digitalen Zeitalter sind. Die 5 Tage in Polen waren für alle Mitfahrenden sehr besonders, sie werden im Gedächtnis bleiben und die Erinnerung weiter wachhalten.

Ein besonderer Dank gilt den Förderinstitutionen, die die Reise mitfinanziert haben: der DFB-Kulturstiftung, dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk und seinem Programm „Jugend erinnert“ sowie dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne ihre Unterstützung wäre diese eindrucksvolle Bildungsfahrt nicht möglich gewesen.

Pfingstfahrt 2025 – Erholung, Wassersport und Kultur

Zur Vorbereitung unserer Pfingstfahrt haben wir uns im Fanprojekt mit allen teilnehmenden Jugendlichen getroffen. Bei diesem Treffen wurden die Aufgaben verteilt, der Ablauf der Fahrt noch einmal ausführlich besprochen und überprüft, ob alle über ausreichende Zeltausrüstung verfügen. Dabei stellte sich heraus, dass einige Schlafsäcke und Zelte fehlten – diese konnten wir glücklicherweise aus dem Fundus von Outlaw ausleihen. Außerdem legten wir gemeinsame Verhaltensregeln fest, sammelten die „Muttizettel“ der unter 18-Jährigen ein und sprachen über die geplanten Aktivitäten vor Ort.

Am Abreisetag trafen sich alle pünktlich am Fanprojekt. Wir verluden unsere Campingausrüstung in zwei Kleinbusse und einen PKW. Neben den persönlichen Dingen wie Zelt, Schlafsack, Isomatte und Rucksack nahmen wir auch einen großen Pavillon, einen Grill, mehrere Tische, Campingstühle und einige Sportartikel mit – so dass die Fahrzeuge bis unters Dach vollgepackt waren. Um 10 Uhr starteten wir wie geplant und erreichten nach etwa drei Stunden Fahrt gegen 13 Uhr unseren Campingplatz. Dort begannen wir sofort mit dem Aufbau des Lagers. Das Wetter zeigte sich zwar wechselhaft, blieb an diesem Tag jedoch weitgehend trocken.

Nicht alle Jugendlichen hatten Erfahrung mit dem Aufbau von Zelten, manche waren zuletzt als Kinder campen gewesen. Entsprechend benötigten einige Unterstützung, die sie durch erfahrenere Teilnehmende erhielten. Im Gespräch erzählten einige, dass sie gerade während der Corona-Jahre sehr darunter gelitten hatten, keine Camping-Erlebnisse zu haben. Nachdem die individuellen Zelte standen, bauten wir gemeinsam den Pavillon und die Tische auf. Anschließend erkundeten wir den Platz, bildeten kleine Teams und verbrachten den Nachmittag mit sportlichen Aktivitäten wie Tischtennis, Fußball oder Federball. Eine Gruppe übernahm den Einkauf im örtlichen Supermarkt. Am Abend wurde gegrillt, Salate zubereitet und anschließend gemeinsam gegessen. Nach dem Aufräumen nutzten wir die Zeit für intensive Gespräche, Spiele und geselliges Beisammensein, bevor gegen Mitternacht Nachtruhe einkehrte.

Allerdings wurde die Nachtruhe durch laute Nachbarn gestört. Eine Person äußerte unter Alkoholeinfluss diskriminierende und rechtsextreme Parolen, was die Gruppe sehr betroffen machte. Die Jugendlichen reagierten jedoch besonnen und machten deutlich, dass dieses Verhalten nicht akzeptiert wird

Der Samstag begann früh: Um 7:30 Uhr standen wir auf, bereiteten das Frühstück vor und brachen um 9:30 Uhr zur Paddeltour nach Loket auf. Schon auf der Fahrt setzte Regen ein, der uns den ganzen Tag begleiten sollte. Vor Ort erhielten wir Zweier- und Dreierkanus, Schwimmwesten und Paddel, teilten die Gruppen ein und stiegen im strömenden Regen ein. Trotz der widrigen Bedingungen starteten alle Teilnehmenden mutig – bis eines der Boote kurz nach Beginn kenterte. Die betroffenen Jugendlichen standen völlig durchnässt im Wasser; zwei von ihnen entschieden, die Tour abzubrechen und wurden von einem Kollegen zurück zum Campingplatz gebracht. Glücklicherweise gab es keine Verletzungen und alle technischen Geräte blieben unbeschädigt.

Die Paddeltour dauerte insgesamt rund fünf Stunden, begleitet von wechselhaftem Wetter zwischen Starkregen und Sonnenschein. Mit einer kleinen Mittagspause zwischendurch konnten sich alle etwas stärken. Trotz der Anstrengung und der teilweise schwer steuerbaren Boote entschädigte die eindrucksvolle Landschaft des Egertals für vieles. Gegen 16 Uhr erreichten wir Karlovy Vary, mussten die geplante Stadtführung und das gemeinsame Abendessen dort jedoch auf den nächsten Tag verschieben, da alle völlig durchnässt waren.

Zurück am Campingplatz erwartete uns die nächste Herausforderung: Der Sturm hatte das Dach unseres Pavillons abgerissen, sodass alle Sitzmöglichkeiten durchnässt waren. Auch mehrere Zelte sowie Schlafsäcke und Isomatten hatten Schaden genommen. Dennoch entschieden sich die Jugendlichen, nicht abzubrechen. Im Gegenteil: Sie halfen sich gegenseitig, Zelte zu sichern, Kleidung zu verleihen und Notfall-Schlafsäcke und Decken zu verteilen. Zum Abendessen gingen wir gemeinsam ins Restaurant des Campingplatzes, wo wir bei warmem Essen die Paddeltour Revue passieren ließen und viele Anekdoten geteilt wurden. Der Abend klang entspannt aus, und die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, über vergangene und kommende Saisonaktivitäten zu sprechen, Spiele zu spielen und intensive Gespräche zu führen..

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter weiter verschlechtert: Regen und starker Wind setzten uns und dem Material erneut zu. Nach dem Frühstück entschieden wir daher gemeinsam, die Fahrt um einen Tag zu verkürzen, da viele keine trockenen Sachen mehr hatten. Bevor es zurück nach Leipzig ging, nutzten wir jedoch noch die Gelegenheit für einen zweistündigen Besuch in Karlovy Vary. Auch ohne Führung erkundeten wir die Stadt und waren beeindruckt von der Architektur, den prachtvollen Kolonnaden und den historischen Bädern. Gerne hätten wir uns dort länger aufgehalten, doch das Wetter machte uns erneut einen Strich durch die Rechnung.

Am frühen Nachmittag traten wir schließlich die Rückreise an und kamen etwas erschöpft, aber voller gemeinsamer Erlebnisse, Eindrücke und guter Laune in Leipzig an.

Wir danken der Stadt Leipzig und dem Amt für Jugend und Familie für die Förderung dieser Maßnahme.

Jüdinnen und Juden im Leipziger Westen – ein besonderer Stadtteilrundgang auf den Spuren ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner

Ende Mai trafen sich Fans der BSG Chemie, um zusammen mit der Kulturwissenschaftlerin Britt Schlehahn die Spuren jüdischen Lebens im Leipziger Westen zu erkunden.

Leipzig verfügte in den 20er Jahren über die sechst-größte Gemeinde Deutschlands mit vielen tausend Gemeindemitgliedern. Persönlichkeiten jüdischen Glaubens prägten Wissenschaft, Kultur und Handel. Auf diese Blütezeit folgte der tiefe und zerstörerische Zivilisationsbruch in der Zeit des Nationalsozialismus mit der fast vollständigen Vernichtung der Gemeinde in der Shoah. Die Stadtteile Leutzsch, Lindenau und Plagwitz gehörten zwar nicht zu den Zentren jüdischen Lebens, trotzdem kann man bis heute viele Geschichten um Orte und Personen nachvollziehen. Ob es die jüdischen Kaufhäuser am Lindenauer Markt, der Karl-Heine-Straße oder das berühmte Kaufhaus Held in der Merseburger Straße sind, oder der Erinnerungsort an die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner in der Josephstraße 7. Oder die Stolpersteine auf der Georg-Schwarz-Straße, der Endersstraße oder der Demmeringstraße, die an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger erinnern sollen. Mit etwas Mühe kann einstiges jüdischen Leben wieder sichtbarer und erkennbarer gemacht werden.

Über zwei Stunden führte Britt Schlehahn kenntnisreich von einer Ecke zur nächsten, erzählte viel Wissenswertes über Personen, Häuser und Orte und problematisierte auch immer wieder das Nicht-Beschäftigen mit den einstigen Täterinnen und Tätern: Menschen die profitierten, die mitmachten, die enteigneten oder die denunzierten.

Der Stadtteilspaziergang ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die von der Amadeu-Antonio-Stiftung und der DFB Kulturstiftung gefördert wird und die noch bis Jahresende geht.

Zur momentan schwierigen finanziellen Situation des Leipziger Fanprojekts

Die durch die Presse gehenden Meldungen von drohenden oder schon vollzogenen Einsparungen im sozialen Bereich, die gerade viele zivilgesellschaftliche Initiativen und Träger der Sozialen Arbeit in Sachsen, aber auch bundesweit drastisch zu spüren bekommen, betreffen auch das Leipziger Fanprojekt. Wir bitten deswegen um Unterstützung.

Wie vielleicht bekannt sein dürfte, haben wir hier an unserem Standort eine bundesweit einmalige Situation: mit den Fanszenen von Chemie Leipzig, RB Leipzig und Lok Leipzig begleitet das Leipziger Fanprojekt gleich drei Bezugsfanszenen sozialpädagogisch – eine nicht immer ganz einfache Konstellation, in der wir es aber seit 2011 geschafft haben, intensive und belastbare Beziehungsebenen zu den Fanszenen und auch den Bezugsvereinen aufzubauen. Und auch im Netzwerk haben wir uns mittlerweile ein sehr gutes Standing erarbeitet.

Als vor 1 ½ Jahren sehr deutlich wurde, dass unsere Struktur verändert und die Finanzierung entsprechend angepasst werden muss, um weiterhin gut arbeiten und wirksam sein zu können, haben wir viele Gespräche mit unseren Finanzierungsgebern geführt, um DFB, DFL, Kommune und Land zu überzeugen, mehr Geld zur Verfügung zu stellen – und damit z. B. notwendige Stellenaufstockungen vollziehen zu können. Wir haben hierfür mit sehr viel Rücksicht auf die sich bereits anbahnenden schwierigen Haushaltslagen ein Konzept erstellt, das maßvolle Stellenaufwüchse und entsprechend verträgliche Etaterhöhungen vorsah. Wir haben in mehreren Treffen die Notwendigkeit der Stellenaufstockungen und Anhebung unserer Sachkostenfinanzierung dargelegt, aber auch die Konsequenzen, die unserer Einschätzung nach eintreten würden, sollte sich nichts an unserer Lage ändern. Leider ist seitdem nichts passiert, was zu einer substanziellen Verbesserung unserer Situation beigetragen hätte. Weder der Fußball noch die öffentlichen Hände haben Verantwortung übernommen, keiner ist den ersten konkreten Schritt nach vorne gegangen, mehr Geld zu geben.

Wir haben in den letzten Jahren immer das Beste aus unserer schwierigen Haushaltslage gemacht und versucht, durch mehr oder weniger clevere Drittmittelakquise und politische Lobbyarbeit unseren Etat anzuheben. Das ist uns auch im Verbund mit öffentlichen Händen und dem Fußball im Rahmen der letzten beiden Doppelhaushalte gelungen – deswegen wollten wir unbedingt nun den nächsten notwendigen Schritt zur weiteren Verbesserung unserer Fanprojekt-Struktur in die Wege leiten.

An Stellenaufstockungen und einen höheren Etat ist momentan allerdings nicht mehr zu denken, denn nach den ersten Haushaltsentscheidungen unserer Fördermittelgeber haben wir eine völlig andere Ausgangslage: nachdem die Stadt Leipzig unseren für 2025/2026 beantragten Mehrbedarf nicht anerkannt hat, bleibt unsere Fördersumme auf dem Stand vom letzten Jahr stehen. Und der Landeshaushalt ist zwar noch nicht beschlossen, im Regierungsentwurf sind aber für 2026 sogar Kürzungen der sächsischen Fanprojekt-Förderung angedacht. Wie sich der Fußball, also DFB und DFL, angesichts dieser schwierigen Perspektiven verhalten wird, ist unklar. Fakt ist: Unsere Finanzierung hält nicht mehr mit der aktuellen Tarif- und Kostenentwicklung Schritt und so droht uns aktuell ein Defizit von mehreren 10.000 Euro. Damit ist unser momentaner Status Quo gefährdet.

Wir führen weiterhin viele Gespräche mit der Politik, dem Fußball, den öffentlichen Händen und unserem Träger. Die fachlichen Argumente liegen auf unserer Seite. Aber wir brauchen Unterstützung und Solidarität. Deswegen wurde eine Spendenseite aufgelegt, die ihr unter folgendem Link abrufen könnt: https://projekte.outlaw-ggmbh.de/project/spende-fuer-fanprojekt-leipzig-kopieren

Wir würden euch gerne bitten, sowohl auf die Spendenkampagne, als auch auf unsere momentane Situation hinzuweisen, soweit es euch möglich ist. Vielen Dank!

Erfolgreiche Veranstaltung beim Deutschen Jugendhilfetag

Am 14.05.2025 fand im Rahmen des 18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages auch unsere Fachveranstaltung zu jugendlich geprägter Fankultur als Arbeitsfeld der Jugendhilfe statt.

Über 100 Interessierte – mehr, als Plätze vorhanden waren – kamen, um unserem Impulsvortrag und der von Steffen Kröner moderierten Podiumsdiskussion zu lauschen, an der Janina Bittner (Abteilungsleiterin Jugendhilfe der Stadt Leipzig und stellvertretende Jugendamtsleiterin), Dr.in Heidi Giuliano-Thaler (Koordinationsstelle Fanprojekte), Christian Shukow (Referent für Jugendsozialarbeit beim AWO-Bundesverband) und Dr. Christian Kohn (Leiter des Leipziger Fanprojekts) teilnahmen.

Angesichts der hohen Kontaktzahlen, der großen Akzeptanz in den Fanszenen und den vielen fachlichen Impulsen, die immer wieder von der Fansozialarbeit für die Jugendhilfe ausgehen, waren sich Podium und Publikum einig darin, dass die Fanprojekte stabile Rahmenbedingungen brauchen, um weiterhin gut arbeiten zu können – und dies nicht nur eine auskömmliche Finanzierung mit einschliessen muss, sondern auch ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Wir danken allen Gäste und Mitdiskutierenden sowie der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die an der Organisation beteiligt war, für eine gelungene Veranstaltung, deren große positive Resonanz auch uns ziemlich überrascht hat.

»Eine Frage der Haltung« Auftakt-Veranstaltung zu Projekt über Antisemitismus im Fußball

Seit dem 7. Oktober und dem Überfall der Hamas auf den Süden Israels ist Antisemitismus nicht nur auf den Straßen und in den Sozialen Medien ein großes Thema. Auch in den europäischen Fußballstadien ist der Judenhass sowohl subtil als auch offen wieder präsent: in Gesängen, auf Spruchbändern oder in Choreographien. Das Fanprojekt hat deshalb zusammen mit den »Chemiefans gegen Antisemitismus« eine Veranstaltungs- und Workshopreihe ins Leben gerufen, um aktuelle Formen des jahrhundertealten Ressentiments zu diskutieren und zu problematisieren.

Den Auftakt machte Ende April ein Podiumsgespräch im Soziokulturellen Zentrum Conne Island. Unter dem etwas sperrigen Titel »Leutzscher Juden. Zur Idee der Aneignung jüdischer Identitäten im Kampf gegen Antisemitismus in Fußball« diskutierten wir vor 150 interessierten Gästen mit Monty Ott und Ruben Gerczikow über die Genese antisemitischer Vorurteile und die Möglichkeiten, diesen im Fußballkontext etwas entgegenzusetzen. Denn nicht nur bei Tottenham oder Ajax Amsterdam, auch in Leipzig-Leutzsch sieht man ab und an Davidsterne auf Stickern oder ein Spruchband mit einem Zitat der jüdischen Philosophin Hannah Arendt. Ist »Jüdischsein« im Stadion also eine Art Performance? Was unterscheidet die »Yids« von den »Superjoden«? Und was sagen eigentlich Jüdinnen und Juden zu den Aneignungsmodellen in der Fankultur? Das waren nur einige Fragen, die im Rahmen einer lebhaften Diskussion im Conne Island angeregt besprochen wurden.

Die Veranstaltungsreihe, die von der Amadeu-Antonio-Stiftung und der DFB Kulturstiftung gefördert wird, findet in den nächsten Wochen ihre Fortsetzung und geht noch bis Jahresende.